Christoph Bruns und Ufuk Boydak Loys-Spezialisten: Die Eurokrise ebbt ab

Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys

Ufuk Boydak (li.) und Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys

Der erstarkende Euro und die robusten Zuflüsse in europäische Aktienfonds deuten einen Gezeitenwandel an den Börsen an. Die Stimmung bei Konsumenten und Unternehmen befindet sich auf hohem Niveau und selbst am Arbeitsmarkt bessert sich die europäische Lage. Zuletzt wurden die Wachstumsannahmen für Frankreich und Deutschland angehoben.

Dazu trägt auch die zunehmende Ernüchterung der Wall Street nach der Amtsübernahme von Donald Trump bei. Mittlerweile verfestigt sich nämlich der unheilvolle Eindruck einer chaotischen amerikanischen Politik, die weder in der Innen-, noch in der Außenpolitik sinnvolles Vorgehen erkennen lässt. Die unausgegorenen Ideen zur Einwanderungs-, Gesundheits-, Handels-, Steuer- und Außenpolitik führen zunehmend zu einer Belastung für die Börsen, ganz abgesehen von den Skandalen, die mittlerweile mit Trump in Verbindung gebracht werden.

Ganz anders sieht die Lage in Deutschland aus, wo Konsumklimaindex, Steueraufkommen und Unternehmenszuversicht Höchstwerte markieren. Im politischen Spektrum wurde den Windbeuteleien des Martin Schulz von den Wählern im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen die rote Karte gezeigt. Das Wiedererstarken der Bundeskanzlerin, die innenpolitisch bestenfalls eine Verwalterin des Status Quoist, ist unübersehbar. Immerhin spielt Frau Merkel außenpolitisch in der Königsklasse. Damit wird die Bundesrepublik zum anerkannten Stabilitätsanker in der Welt.

Zweistellige Zuwächse

Die Aktienbörsen lassen sich bereits seit geraumer Zeit nicht von dem Irrsal der Weltpolitik anfechten. Auch die verunglückte Wahlstrategie der gewendeten Brexit-Premierministerin Theresa May vermochte kein weiteres Ungemach über die Finanzmärkte zu bringen.

Anders als bei Zinsanlagen, die nunmehr seit Jahren unattraktiv sind und bestenfalls Magerkost bieten, waren an der Börse in diesem Jahr durchaus zweistellige Zuwächse zu erzielen. Allem Anschein nach löst sich langsam die Investitionsbremse der Anleger, sodass weitere Zuflüsse an die Eigenkapitalmärkte erwartet werden dürfen. Selbst aus der deutschen Politik kommen erste Signale, denen zufolge bei der betrieblichen Altersvorsorge ein Umsteuern Richtung Aktienanlage erkennbar wird. Vielleicht ist dies ein Einstieg in eine neue faktenbasierte Rentenpolitik. Auch die private Altersvorsorge könnte solche Impulse gut vertragen.