Co-Finanzierungen im Crowd-Investing Sind Crowd-Investing und Venture Capital kompatibel?

Alltagsszene vor einer Fußgängerampel: Viele Start-ups werden bereits von der „Crowd“ mitfinanziert. | © Kaique Rocha

Alltagsszene vor einer Fußgängerampel: Viele Start-ups werden bereits von der „Crowd“ mitfinanziert. Foto: Kaique Rocha

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David Rhotert, Companisto

Sowohl in den USA und Israel als auch in Europa kommt es immer häufiger zu Co- und Anschlussfinanzierungen bei crowdfinanzierten Start-ups. Dabei arbeiten professionelle Investoren wie Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften und Crowdinvesting-Plattformen zusammen, um die Finanzierung eines Start-ups zu stemmen.

Auf Crowdfunder, einer der führenden US-Plattformen für equity-based Crowdfunding, laufen aktuell drei co-finanzierte Kampagnen. Das Fashion-Start-up Style Lend und die Event-App Gigwell werden beide vom renommierten VC-Investor Y Combinator co-finanziert und konnte jeweils schon mehr als 2 Millionen Dollar einwerben. Hinzu kommt die Logistik-App Shipsi, die durch Propellor VC co-finanziert wird und schon 3,7 Millionen Dollar einsammeln konnte.

In Israel ist die Plattform OurCrowd der führende Anbieter für Start-up-Investitionen. Aktuell laufen dort zwei Kampagnen, die mithilfe großer VCs co-finanziert werden. Die Banking-App Rewire wird von Moneta Seeds unterstützt und das Start-up engie wird vom kalifornischen Risikokapitalgeber 8VC mitfinanziert.

Co-Finanzierungen in den USA, Israel und Europa

Auch in Europa hat sich ein Trend der Co-Finanzierung zwischen der Crowd und VC-Firmen etabliert. Auf Seedrs, einer der größten britischen Plattformen für equity-based Crowdfunding, lief Anfang August eine Co-Finanzierung für die Banking-App Revolut an. Index Ventures, Balderton Capital und Ribbit Capital investierten zuvor rund 56 Millionen Euro. Auf Seedrs suchte Revolut nach weiterem Wagniskapital. In weniger als 24 Stunden sammelte das FinTech-Unternehmen nochmal 4,5 Millionen Euro über die Crowd ein, wie TechCrunch berichtet.

In Deutschland ist Companisto markführende Crowdinvesting-Plattform für Start-ups. Dort finden zurzeit zwei große Co-Finanzierungen statt. Das Start-up Meine Spielzeugkiste konnte bisher 1,2 Millionen Euro professionellen Investoren einsammeln, darunter Business Angels wie Frank Thelen sowie Venture-Capital-Gesellschaften wie ProSiebenSat.1 und BonVenture. Und das MedTech-Start-up NDI AG wurde von VC-Gesellschaften wie IBB Beteiligungsgesellschaften mbH und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) mit 1 Million Euro ausgestattet und will noch einmal 1,5 Millionen Euro von der Crowd einsammeln.

Crowdinvesting und Venture Capital kompatibel?

Doch woher kommt auf einmal dieser neue Trend? In der Vergangenheit war ein Finanzierungsmix aus Crowdfunding und Venture Capital die Ausnahme. Aus der VC-Branche gab es immer wieder Zweifel an der Vereinbarkeit der beiden Finanzierungsformen. Die größten Kritikpunkte waren dabei die Unerfahrenheit der Crowdinvestoren und der erhöhte Aufwand für einen professionellen Investor, wenn er sich mit der Crowd auseinander setzen musste.

VC-Investoren müssen daher nicht mehr mit jedem einzelnen Crowdinvestor verhandeln, wenn sie in ein Start-up investieren wollen. Sollte etwa im Zuge einer Anschlussfinanzierung eine Vertragsänderung der Mikroinvestoren nötig sein, führt die Plattform dazu eine Umfrage unter den Investoren durch. Durch die gesetzlich vorgegebene Beteiligungsform des Nachrangdarlehens ist eine direkte Einflussnahme der Crowdinvestoren auf das operative Geschäft des Start-ups jedoch ausgeschlossen.