Crashtest: Jagd auf Edouard Carmignac

Edouard Carmignac (vordere Reihe, Mitte) <br> mit seinem Team

Edouard Carmignac (vordere Reihe, Mitte)
mit seinem Team

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147 Prozent über zehn Jahre; 729 Prozent über 20 Jahre; in der Baisse zwischen März 2000 und März 2003 mit rund 20 Prozent genau wie im Krisenjahr 2008 mit etwa 30 Prozent moderat im Minus und auch im laufenden Jahr wieder unter den Top-Fonds: Edouard Carmignac hat offenbar ein Gespür für die Märkte – und seinen globalen Aktienfonds Carmignac Investissement zur Benchmark der Branche und zum Lieblingsprodukt von Beratern und Anlegern gemacht.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Januar 2010).

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„Der Erfolg der letzten Jahre basiert insbesondere darauf, dass Edouard Carmignac die Themen Schwellenländer und Rohstoffe frühzeitig erkannt hat und hohe Erträge mit Währungsmanagement erwirtschaftet hat“, sagt Dachfondsmanager Eckhard Sauren, der dem Franzosen im Herbst seinen Golden Award und den Titel „Fondspersönlichkeit 2009“ verliehen hat. „Die herausragende Entwicklung im laufenden Jahr geht wesentlich auf die gelungene Steuerung der Investitionsquote zurück.“

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Carmignac bleibt dennoch bescheiden: „Unser Erfolg beruht auf Versagen“, sagt er. „Es ist gar nicht so, dass wir so clever wären. Vielmehr tun die meisten anderen einfach nur nicht, was sie tun sollten.“ Tatsächlich gilt das für fast alle: Weltweit gibt es nur wenige, die es mit dem Franzosen aufnehmen können. Einer von ihnen ist der Schwede Filip Weintraub. Er managt den Skagen Global, einen von Fondsanalysten und Privatanlegern in Skandinavien, den Niederlanden und Großbritannien gefeierten Fonds.

In Deutschland ist der Fonds nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen, lässt sich aber über die Fondsgesellschaft handeln. Das kann sich lohnen: Über zehn Jahre liegt der Fonds mit 145 Prozent extrem knapp hinter Carmignac, seit Auflegung 1997 ist das Plus mit fast 540 Prozent doppelt so groß wie das des Franzosen. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen den beiden Managern groß: Während der 62-jährige Carmignac in einem eleganten Büro am edelsten Platz von Paris residiert, arbeitet der 26 Jahre jüngere Weintraub in einem 70er-Jahre-Bürohaus in der Kleinstadt Stavanger an der norwegischen Westküste. Dort, fernab von Finanzmärkten und Glamour, findet Weintraub „die Ruhe, die wir für unsere Arbeit brauchen“.

Seine Arbeit: „Wir sind ständig auf der Jagd nach wenig bekannten und unpopulären Unternehmen, die unter ihrem Wert gehandelt werden.“ Wichtigstes Kriterium dabei: Es muss einen möglichen Auslöser dafür geben, das der Markt innerhalb von drei bis fünf Jahren den wahren Wert des Unternehmens erkennt.

Nach Carmignac-Definition macht Weintraub dabei ganz offensichtlich wenig falsch, und das glaubt der Schwede auch selbst: „Wenn wir investieren, dann wollen wir das mittelfristig tun. Das zwingt uns zu einer hohen Treffgenauigkeit.“ Zumal von den gut 80 Aktien im Portfolio des Skagen Global im Schnitt nur 25 Prozent pro Jahr getauscht werden. „Die Positionen durch zu viele Aktien zu verwässern ist in meinen Augen ein Zeichen von Unsicherheit“, sagt Weintraub zum recht konzentrierten Portfolio, in dem Branchen- und Ländergewichtungen allenfalls eine Nebenrolle spielen.