Crashtest-Sieger Igor Danilenko im Interview Herr Danilenko, was spricht dafür, jetzt russische Aktien zu kaufen?

Igor Danilenko, TKB BNP Paribas Investment Partners

Igor Danilenko, TKB BNP Paribas Investment Partners

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DER FONDS: Was ist zurzeit das größte Problem in Russland?

Igor Danilenko:
Wir sehen zurzeit drei Hauptrisiken: die grundsätzliche Investierbarkeit, den Ölpreis und geopolitische Spannungen.

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Parvest Equity Russia Opportunities 255 94 96 65 53
2 DWS Russia 218 86 92 40 112
3 Pioneer Funds Austria Russia Stock 163 63 60 40 25
4 Raiffeisen-Russland-Aktien 162 59 58 45 40
5 Comstage MSCI Russia 30% Capped ETF 158 52 76 30 12
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 19. Februar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 19. Februar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Sind diese Risiken beherrschbar?

Solange keine strikten Kapitalkontrollen eingeführt werden, sollte der russische Markt seinen Platz im Emerging-Market-Universum und damit auch in den entsprechenden MSCI-Indizes behalten. Der aktuelle Ölpreis von 50 bis 60 US-Dollar pro Dollar dürfte zudem langfristig nicht nachhaltig sein. Das wäre eine finanzielle Herausforderung sowohl für einen Großteil der Schieferöl-Produzenten in den USA als auch für die Haushalte vieler ölproduzierender Staaten. In der geopolitischen Krise erwarten wir keine starke Eskalation, da bereits einige wichtige Schritte unternommen wurden, um die Situation zu stabilisieren. Allerdings wird es wohl auch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten keine dramatische Verbesserung der Lage in der Ukraine geben. Das wird die russische Kapitalbilanz weiter unter Druck setzen und damit auch den Aktienmarkt.

Welche Sektoren leiden am meisten unter den Sanktionen und dem Ölpreisverfall?

Die Sanktionen haben Banken vor große Herausforderungen gestellt. Erstens haben sie als direkte Auswirkung den Zugang zu ausländischen Kapitalmärkten verloren, was ihre Liquidität einschränkt. Zweitens belasten sowohl die Sanktionen als auch der Ölpreis den russischen Haushalt. Das setzt die Währung unter Druck und verpflichtet die Zentralbank zu einer strafferen Geldpolitik. Die Zinsen auf dem jetzigen Niveau beeinträchtigen Russlands Wachstumsaussichten. Wenn die Ausfallquoten steigen, werden höhere Reserven nötig, was wiederum die Rentabilität der Banken senkt.

Was ist mit anderen Bereichen, beispielsweise dem Energiesektor?

Eine Reihe von Sektoren inklusive Öl und Gas sollte sich dem schwächer werdenden Makro-Umfeld widersetzen. Sie sind weniger von dem fehlenden Zugang zu ausländischer Finanzierung betroffen. Der Metall- und Minensektor dürfte in gutem Zustand bleiben, da er direkt vom schwächeren Rubel profitiert und weniger unter dem Ölpreis leidet. Auch Export-Dienstleister können wahrscheinlich indirekt von den steigenden Umsätzen der Exporteure profitieren.

Was sind ganz generell Ihre Erwartungen für 2015?

Die russische Wirtschaft wird in den nächsten Monaten wohl noch weiter unter Druck stehen, sie leidet unter hohen Kreditzinsen und hoher Inflation. Solange es angebotsseitig nicht zu Veränderungen kommt, ändert sich vermutlich auch am Ölpreis wenig. Zusammen mit den Sanktionen dürfte das dafür sorgen, dass die Volatilität am russischen Aktienmarkt vorerst hoch und der Rubel unter Druck bleibt.

Welche Art von Unternehmen bevorzugen Sie in diesem Umfeld?


Wir bevorzugen Unternehmen, die besonders stark von der schwachen Währung profitieren können. Dazu zählen die Vorzugsaktien von Surgutneftegaz. Allgemein mögen wir Exportunternehmen. Der Stahlsektor und einzelne Düngemittelproduzenten sehen nach einer längeren Periode von schwacher Performance, umfassender Restrukturierung, Schuldenreduzierung und einer verbesserten Dividendenpolitik attraktiv aus. Wir mögen ebenfalls Unternehmen mit einer starken Preismacht. Die großen Lebensmittelhändler etwa können die Inflation an ihre Kunden weitergeben und so Gewinneinbußen vermeiden oder eventuell sogar ihre Gewinne steigern. Landwirtschaftliche Unternehmen sind in einer ähnlich guten Position. Hier werden wir das Portfolio um einige Titel aufstocken.

Russische Aktien gelten als günstig. Allerdings meinen Kritiker, dass das alleine nicht reicht. Sie vermissen ein Aufwärtspotenzial.

Russische Aktien werden auf sehr angeschlagenem Niveau gehandelt und bieten einige lukrative Gelegenheiten. Vor allem für langfristige Investoren, die die hohe, auch 2015 anhaltende Volatilität ertragen können. Die Rendite des freien Cash-flow liegt bei vielen russischen Unternehmen im zweistelligen Bereich. Das heißt, sie können zweistellige Dividendenrenditen selbst in Hartwährung zahlen oder innerhalb weniger Jahre ihre Schulden deutlich senken.

Was sind weitere Argumente, um jetzt in russische Aktien zu investieren?

Russland ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Das langfristige Wachstum wird unterstützt durch Investitionen in die Infrastruktur, eine wachsende Binnennachfrage und steigende Effizienz. Bisher ist die Produktivität selbst im Vergleich zu anderen Emerging Markets gering. Zudem ist Russland ein zunehmend wichtiger Lieferant für Asiens Rohstoffnachfrage.

Trotzdem bleibt es ein Ritt auf der Rasierklinge.

Rückschläge sind jederzeit möglich, allein schon wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung am Ölmarkt und in den geopolitischen Krisen. Sobald sich aber nur einer der beiden Faktoren stabilisiert, würde das dem russischen Aktienmarkt Auftrieb verleihen – auch wenn der Ölpreis niedrig bleibt und die Sanktionen anhalten. Zudem könnte die russische Zentralbank durch weitere Zinssenkungen den Aktienmarkt unterstützen, wenn sich in der zweiten Jahreshälfte die Inflation verlangsamt.

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