„Da sich die Eurokrise normalisiert, können Anleger wieder mehr ins Risiko gehen“

Marc Craquelin von der französischen Fondsgesellschaft Financière de l’Echiquier

Marc Craquelin von der französischen Fondsgesellschaft Financière de l’Echiquier

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Die europäischen Aktienmärkte haben in diesem Jahr eine regelrechte Berg- und Talfahrt hinter sich. Während der Euro Stoxx 50 im ersten Quartal 2012 um 13 Prozent stieg, brach er im darauffolgenden Quartal 2012 um 17 Prozent ein. In den Sommermonaten legte er dann in weniger als zwei Monaten wieder um mehr als 12 Prozent zu und entwickelte sich zum ersten Mal seit 2008 besser als der S&P 500.

Dieses Auf und Ab an den Aktienmärkten zeigt eindrucksvoll, wie angespannt die Lage in Europa weiterhin ist. Gleichzeitig bieten sowohl das anhaltende Niedrigzinsumfeld als auch das faktische Nullwachstum in Europa Investoren keine Alternative.

Dennoch gibt es Anlass für Optimismus auch in der Eurozone. EZB-Präsident Mario Draghi hat einen Erfolgskurs eingeschlagen und ist auf dem besten Weg, die Eurozone und ihre Gemeinschaftswährung mittelfristig zu stabilisieren. Der Beschluss, unter gewissen Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen, sowie das Urteil des Bundesverfassungsgerichts haben die Märkte beruhigt.

Wir bei Financière de l’Echiquier sind der festen Überzeugung, dass sich die Lage in der Schulden- und Währungskrise in der Eurozone stabilisieren wird. Im Zuge dessen nimmt der Risikoappetit der Marktteilnehmer zu, was sich auch in steigenden Übernahmezahlen der Unternehmen auswirken wird.

Risikoreichere Produkte erhöhen

Investoren konnten den Markt in den vergangenen Monaten meist nur mit Unternehmen schlagen, die ihren Umsatz überwiegend außerhalb Europas tätigen. Jetzt können sie aber auch wieder mit lokal und europäisch gut aufgestellten Unternehmen Überrendite erzielen.

Anlegern mit geringer Risikoneigung, die zudem ihre Volatilität minimieren möchten, bieten Unternehmensanleihen der großen internationalen Marktführer solide Renditeaussichten bei gleichzeitig geringem Risiko. Beispiele sind hier Siemens mit einer Laufzeit von 7,5 Jahren und einem Kupon von 1,57 Prozent oder VW mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Kupon von 2 Prozent.

Wer aber wie wir der Überzeugung ist, dass sich die Euro-Schuldenkrise normalisiert, dem empfehlen wir eine schrittweise Ausweitung der Risikoassets innerhalb des Portfolios. Eine erste Risikoanpassung nach oben lässt sich am besten mit einem Mix aus europäischen Aktien und Unternehmensanleihen umsetzen.

Zur Absicherung des Vermögens eignen sich europäische Unternehmensanleihen, bei denen wir aktuell zu einer besonders hohen Gewichtung von High-Yield-Bonds raten. Damit kann die Portfolioperformance bei überschaubarem Risiko gesteigert werden.

Bei der Auswahl der einzelnen Aktientitel ist es sinnvoll, unabhängig von der allgemeinen Marktmeinung zu investieren. Schwerpunkte der Wertpapieranalyse sollten sein, die Managementqualität sowie den Preis der Aktie gegen ihren tatsächlichen Unternehmenswert abzuwägen. Denn in dieser Differenz sehen wir langfristig den größten Performancetreiber. Besonders gute Chancen bieten sich hier mit Abschlägen von mindestens 50 Prozent.

Vor allem die niedrigen Bewertungen europäischer Aktien machen sie weiterhin so attraktiv. Ein gutes Beispiel sind hier Luftfahrtunternehmen, die im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern mit einem Abschlag von 20 Prozent gehandelt werden.