Daniel Koller über Biotechnologie "Es passieren jetzt schon Dinge, die nicht für möglich gehalten wurden"

Daniel Koller, Portfoliomanager BB Biotech (Lux) Fonds

Daniel Koller, Portfoliomanager BB Biotech (Lux) Fonds

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DAS INVESTMENT.com: Muss man mehr Finanz- oder Medizinexperte sein, um ein Biotech-Portfolio zu managen?

Daniel Koller: Unsere Arbeit besteht zu vielleicht 20 Prozent aus Finanzanalyse. Für die restlichen 80 Prozent suchen wir nach großen Trends in der Medizin, nach drängenden medizinischen Bedürfnissen.

Wir gehen auf Ärztekongresse, um dort mit Fachspezialisten, Unternehmen und Patientengruppen zu sprechen. Manchmal beobachten wir ein potenzielles Investment über Jahre, bis wir Vertrauen in den medizinischen Wert gefasst haben.

DAS INVESTMENT.com: Wurden Sie schon mal aus ethischen Gründen angefeindet?

Koller: Nein. Wir konzentrieren uns auch weniger auf die gesellschaftlich diskutierten Themen wie die Stammzellenforschung. Wir suchen Unternehmen, die Biologika und chemische Substanzen, aber auch neuerdings genetisches Material für Medikamente verwenden. Die erlauben es sehr gezielt, bestimmte Eiweiße zu beeinflussen und sie zu verändern. Das war früher so nicht machbar.

DAS INVESTMENT.com: Jetzt schon?

Koller: Es tut sich gerade sehr viel. Zum Beispiel bei der Leberinfektion Hepatitis C, wo der Markt sich lange nicht bewegt hatte. Dann haben Vertex und Merck 2011 mit einer neuen Medikamentenklasse den Markt explosionsartig ansteigen lassen.

Sofosbuvir von der Firma Gilead sollte eigentlich schon dieses Jahr auf den Markt kommen. Es ist das erste Medikament einer neuen Klasse und bietet höhere Heilungsraten. Und es hat weniger Nebenwirkungen als andere.

DAS INVESTMENT.com: Welches Ereignis aus Ihrer Zeit bei BB Biotech werden Sie ganz bestimmt nicht vergessen?

Koller: Die Sequenzierung des menschlichen Gens, also das Auslesen der genetischen Informationen. Es wurde damit möglich, auf dessen Basis neue Medikamente zu entwickeln. In diesem Jahr kam in den USA der Cholesterin-Senker Kynamro auf den Markt. Er zeigt, dass mit diesem Ansatz gezielt auf der genetischen Ebene eingegriffen werden kann. Es funktioniert also.

DAS INVESTMENT.com:
Ist damit jede Krankheit heilbar?

Koller: Für Krankheiten, die von einzelnen oder wenigen Genen abhängig sind, sollte es machbar sein. Harte Brocken sind aber Krankheiten wie Alzheimer. Hier sucht die Branche noch nach den Ursachen dieser progressiv verlaufenden Krankheit. Allein diesen Prozess zu stoppen wäre schon ein enormer Fortschritt. Das Unternehmen, das das hinbekommt, wird in Sachen Börsenwert zu den größten der Welt gehören.

DAS INVESTMENT.com: Das heißt noch eine Menge Arbeit.

Koller: Ja, die Krankheiten werden uns über viele Jahre noch nicht ausgehen. Denken Sie nur an die Resistenzen bei vielen Viren, Bakterien, ja selbst bei Krebserkrankungen. Aber ich bin Optimist. Es passieren heute schon Dinge, die man vor 10 oder 20 Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

Wir investieren bewusst Kapital auch in recht junge Unternehmen, sodass sie Geld für Forschung und Entwicklung haben. Das freut mich auch ganz persönlich – neben der Rendite.