Danske-Invest-Expertin „Für Schwellenländer-Aktien im Portfolio haben wir eine Faustregel“

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank und Beraterin bei Danske Invest

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank und Beraterin bei Danske Invest

Anleger versäumen weitgehend die Renditemöglichkeiten, die Aktien aus Schwellenländern bieten. So beobachten wir, dass sich insbesondere viele private Investoren gar nicht bei diesen Titeln engagieren. Dafür kann es natürlich gute, wohlüberlegte Gründe geben. Doch man sollte sich als Anleger darüber im Klaren sein, dass man so die Möglichkeit verpasst, die Früchte des großen Wachstumspotenzials in vielen dieser Staaten zu ernten.

Schwellenländeraktien können zur Risikodiversifikation in einem Anlageportfolio beitragen, denn sie entwickeln sich nicht unbedingt im Takt mit zum Beispiel europäischen und US-amerikanischen Aktien. Letzten Endes führt eine gute Risikodiversifikation zu einem stabileren Portfolio mit begrenzteren Wertschwankungen – und damit zu einer geringeren Anfälligkeit gegenüber Kursverlusten.

Als Faustregel empfehlen wir daher, dass ein Anleger mit einem mittelfristigen Anlagehorizont und einem mittleren Risikoprofil etwa 5 Prozent seines Gesamtportfolios in Schwellenländeraktien investieren sollte.

Eine gute Diversifikation kann sich vor allem im Jahresverlauf 2017 auszahlen, wo wichtige Wahlen eine große politische Unsicherheit in Europa erzeugen, von der die Aktienmärkte negativ beeinflusst werden können. In den USA herrscht zudem nach wie vor große Ungewissheit darüber, welche politischen Vorhaben Donald Trump umsetzen wird. Außerdem gibt es mehrere potenzielle geopolitische Brennpunkte, die aufflammen können. Abhängig davon, was genau passieren wird, werden manche Aktienmärkte stärker unter den verschiedenen Begebenheiten leiden als andere. Deshalb trägt eine Streuung des Vermögens zum Schutz und zur Stabilität eines Portfolios bei.

Asien auf der Überholspur

Nach unserer Überzeugung ist Asien eine Schwellenländerregion mit Potenzial. Denn Asien profitiert vom globalen Aufschwung und dem florierenden Welthandel, da viele der dortigen Länder sehr exportlastig sind.

Das größte Potenzial für eine weitere Erholung in den Schwellenländern besteht jedoch darin, dass sich der globale Aufschwung allmählich auf die Binnenwirtschaften ausweitet. Folge: Die Inlandsnachfrage steigt und das Wachstum wird selbsttragend. Genau dafür mehren sich allmählich die Anzeichen. In diesem Fall würde das Wachstum nicht nur auf dem Export beruhen, und die Länder wären somit weniger abhängig vom Wirtschaftswachstum im Westen als heute.

Chinesische Aktien attraktiv bewertet

Innerhalb Asiens sind unserer Ansicht nach China und Indien gegenwärtig die interessantesten Staaten.

Die chinesische Regierung hat klar signalisiert, dass sie reformwillig ist, die Dinge im Griff hat und sicherstellen wird, dass das Wachstum nicht schlagartig nachlässt oder die Wirtschaft in eine tiefe Rezession fällt. Sie verfolgt eine äußerst ausgewogene Politik. Das unterstützt die Konjunktur und stabilisiert das Wachstumsbild.

Hinzu kommt: Wichtige Kennzahlen deuten darauf hin, dass der chinesische Aktienmarkt in Hongkong – insbesondere im Vergleich zu den restlichen Schwellenländern – attraktiv bewertet ist, aber auch gegenüber den globalen Aktienmärkten. Insgesamt sind stabiles Wachstum, eine reformfreundliche Regierung, ein attraktiv bewerteter Aktienmarkt und ein vergleichsweise moderates politisches Risiko eine gute Kombination für Investoren.

Reformen – Niedrig hängende Früchte in Indien

Wie in China hat auch die indische Regierung gezeigt, dass sie reformwillig ist, nicht zuletzt seit Narendra Modi 2014 das Amt des Premierministers übernahm. Was beispielsweise die Infrastruktur angeht, hinkt Indien jedoch noch weit hinterher, daher können selbst kleine Reformen von Modis Regierung eine enorme Auswirkung auf die Wirtschaft entfachen. Der Premierminister hat unter anderem Landreformen eingeführt, die den Ausbau des überregionalen Schienen- und Straßennetzes ermöglicht haben.

Unserer Überzeugung nach tut Modi mit seiner Politik genau das Richtige. Bildlich gesprochen gibt es in Indien viele niedrig hängende Früchte, die gepflückt werden können – und Modi ist bereits in den Erntemodus übergegangen. Er besitzt eine Reformagenda und hat die öffentlichen Finanzen besser in den Griff bekommen. Gleichzeitig verfügt Indien über eine starke Zentralbank, die ebenfalls die richtigen Dinge tut. Deshalb ist das Wachstumspotenzial im Land enorm groß.

Indiens Aktienmarkt ist zwar nicht so günstig bewertet wie der chinesische, aber das wird durch die hohen Gewinnerwartungen gerechtfertigt – und auch dadurch, dass die Unternehmen generell eine hohe Eigenkapitalrentabilität aufweisen. Anlegern bietet dies ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis.

Risiken im Blick behalten

Mit einer Anlage in Schwellenländeraktien ist jedoch ein erhöhtes Risiko verbunden. Da die Unsicherheit höher ist als bei einer Anlage in die entwickelten Märkte wie Europa oder die USA, sollte ein Investment in Schwellenländer aus unserer Sicht stets nur einen geringen Teil des Portfolios ausmachen.