Das Datendickicht meistern: Empfehlungen für Pensionsfonds

Jörg Ambrosius

Jörg Ambrosius

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Mit der wiedererstarkten Fokussierung auf Führung und Transparenz ist der Datenbedarf von Pensionseinrichtungen in den letzten fünf Jahren exponentiell gestiegen. Für Manager von Pensionseinrichtungen stellt dies in zweierlei Hinsicht eine Herausforderung dar: Zum einen stellt sich die Frage, wie für ein zunehmend komplexer werdendes Anlageuniversum Daten überhaupt beschafft und verwaltet werden können.

Zum anderen ergibt sich dann die Schwierigkeit, diese Daten im benötigten Umfang analysieren und abfragen zu können. Neue Analysetechnologien können helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Worauf es bei der Auswahl des passenden Dienstleisters ankommt, zeigt dieser Beitrag.

Pensionseinrichtungen stehen zur Bewältigung der skizzierten Herausforderung mehrere Optionen zur Verfügung. Einige größere Einrichtungen haben eigene Data Warehouse-Projekte initiiert, welche sich jedoch als umfangreich und kostspielig erweisen sowie beträchtliche Risiken bei der Realisierung und der Implementierung mit sich bringen können.

Das Zusammentragen von Daten verschiedener Anlageportfolios, Investmentfonds und Anlageklassen bei gleichzeitiger Berücksichtigung der individuellen Struktur bestimmter Anlageformen, wie zum Beispiel privaten Eigenkapital, kann unter Umständen eine sehr große Herausforderung darstellen.


Mehrwert durch Depotbanken

Zunehmend wenden sich daher Pensionseinrichtungen mit diesem Problem an ihre Depotbank und erwarten eine wirkungsvolle Lösung. Dies ist sinnvoll, hat die Depotbank doch per se als Verwahrer großer Teile der Vermögensanlagen originären Zugriff auf einen großen Datenbestand. Durch die Nutzung ergänzender Marktdaten und die Auswertung mittels moderner Analysetools kann sie Transparenz schaffen und ein umfassendes Bild der Vermögensanlagen zeichnen.

Und da die Technik und der hohe Automatisierungsgrad es ermöglichen, diese Daten auf eine Echtzeitplattform zu übertragen, ergeben sich hieraus gewaltige Spielräume, um die kritische kundennahe Entscheidungsfindung in Bereichen wie Risikomanagement und Regelkonformität zu unterstützen.

Der potentielle Nutzen einer zentralen, zuverlässigen Datenquelle wiegt – insbesondere im Hinblick auf eine verbesserte Beaufsichtigung, Steuerung und Stabilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette – die notwendigen Investitionen in vielen Fällen auf. Anstatt eigene Datenanalysen durchführen zu müssen, können Berater, Treuhänder und andere involvierte Parteien sich ausschließlich auf ihre Kernverantwortlichkeiten konzentrieren.


Aufsichtsrecht und Anlagetrends bestimmen den Datenbedarf


Pensionseinrichtungen sehen sich verschiedensten Herausforderungen gegenüber. Die Aufsichtsbehörden der einzelnen Länder fordern sowohl eine häufigere als auch eine detailliertere Berichterstattung hinsichtlich der Vermögensanlagen als jemals zuvor.

Auch aktuelle Anlagetrends verstärken den Bedarf an Daten. Vor dem Hintergrund teilweise bedeutender Finanzierungslücken sehen sich Pensionseinrichtungen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld genötigt, nach neuen Renditequellen einschließlich alternativer Investments Ausschau zu halten.

Während auf alternative Anlagen im Jahr 1995 lediglich 5 Prozent der Kapitalanlagen von Pensionseinrichtungen weltweit entfielen, hat sich dieser Wert auf 20 Prozent im Jahr 2011 erhöht. Bei der Übernahme neuer Anlagestrategien stellen Pensionseinrichtungen fest, dass die Berichterstattung zunehmend komplexer wird und Risiken sich schwerer messen lassen.

Mit Blick auf die Portfoliovolatilität legen Pensionsmanager für ihre Anlageverwalter die Messlatte immer höher. Zudem sind sie inzwischen sehr darauf bedacht, sich schnell und nahezu auf Echtzeitbasis ein umfassendes Bild vom eigenen Exposure in Bezug auf einen bestimmten Markt oder eine bestimmte Anlageklasse bilden und bei Bedarf gegensteuern zu können.
Während der Finanzkrise hatte sich für einige Anbieter genau dies als Problem erwiesen.

Laut einer Studie der Economist Intelligence Unit im Auftrag von State Street wird dies immer noch als eine der größten Herausforderungen wahrgenommen. Nur 60 Prozent der Anbieter von leistungsorientierten Pensionsplänen verfügen nach eigener Einschätzung über ausreichende Portfoliodaten zur Beurteilung der Gesamtrisikosituation, und lediglich 42 Prozent glauben, dass die ihnen zur Verfügung stehenden Daten einen Einblick in ihre Kapitalanlagekosten ermöglichen (siehe Schaubild 1).