Das Dilemma neuer Real-Asset-Projekte in Deutschland

Markus Hill

Markus Hill

// //

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com "Wenn ich acht Stunden hätte, einen Baum zu fällen, würde ich sechs darauf verwenden, meine Säge zu schärfen“. Dieser Spruch wird Abraham Lincoln zugeschrieben und beschreibt zusammengefasst zum großen Teil das Dilemma bei vielen neuen Real-Asset-Projekten im deutschen Markt. Windkraft, Solar, Biotreibstoffe, Wald- und Agrarbereich – Beispiele für ein Universum von vielen kleinen bis mittelgroßen Anbietern, die den Zugang zu institutionellen Investoren suchen. Ein Themenbereich, der in Verbindung mit der Seed Money-Suche auch bekannt ist aus der klassischen Asset Management-Industrie, beispielsweise bei Fondsboutiquen und Fondsanbietern, die nicht über ein großes Vertriebsnetz verfügen. Was sind mögliche Chancen und Risiken für Anbieter und Investoren?

Konzeption und Business-Konzept


Die Konzeption einer Investmentidee lässt sich mit dem Entwurf eines Business-Konzepts vergleichen. Viele Business-Konzepte scheitern häufig bewusst oder unbewusst, weil schon zu Beginn nicht eine „einzigartige“ Idee steht, sondern zum Beispiel der Gedanke, einen Mitbewerber zu kopieren, einen vorhandenen Fixkostenapparat auszulasten oder den neuesten Trend identifiziert zu haben. Mit etwas Phantasie lassen sich diese Gedankengänge auch auf Fonds- beziehungsweise Projektinitiatoren übertragen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit an dieser Stelle. Kernfaktor bei Fondsmanagern und Projekten sind in der Regel die Personen oder Teams, die hinter Projekten stehen. Das kann ein klassischer offener Fonds (Aktien, Renten und so weiter) sein, oder auch ein geschlossener Fonds im Bereich Erneuerbare Energien. Wie bei Entscheidungsprozessen bei Business Angels ist oft die entscheidende Frage: Traue ich dem Unternehmer, Manager oder dem Team zu,  in diesem Falle das Investmentprojekt erfolgreich Realität werden lassen zu können?

Fondsboutiquen, Asset Manager und Faktor Zeit

Die klassische Asset Management-Industrie ist eine reife Industrie, Schrumpfung bzw. Konsolidierung erscheint angesagt. „Profitable Stagnation“ erscheint als eine mögliche Industrieperspektive. Neue Märkte, 130-30-Fonds, Hedgefonds, Emerging Markets und Co. – ob große oder kleine Unternehmen - auf die verschiedensten Züge wird gerne aufgesprungen. Unternehmen mit großem Vertriebsapparat können diese Produktkonzeptionszyklen exzellent nutzen, bis Dinge wie negative Konjunktur, Regulierung oder „Anlegerstreik“ ein Stoppzeichen setzen. Auch hier versiegen im Normalfall nach einiger Zeit die Quellen für das Seeding von neuen Projekten.

Fondsboutiquen mit fokussierter Ausrichtung auf bestimmte Segmente erhalten bei Top-Expertise (exzellente Performance und Visibilität bei Investoren) häufig neue Mittel von ausgewählten Adressen. Ob private Investoren, bestimmte Family Offices oder auch bestimmte Banken – bei Affinität zum Fondsboutiquenbereich und konjunkturell günstigem Umfeld können Gelder eingeworben werden. Generell, wie auch bei größeren Unternehmen: Die Zeitschiene im Projektablauf wird oft zu „sportlich“ angegangen, Ertrags- und Vertriebsdruck wirken hier oft kontraproduktiv.

Transparenz und potentiell neue Know-how-Center


Im Vergleich zu der sich gerade gruppierenden neuen Landschaft im Bereich Real Assets in Verbindung mit Direktinvestments, Geschlossene Fonds-Problematik etc. kann man den Bereich der offenen Publikumsfonds selbst in Anbetracht von Back-Testing-Konzepten vor dem Hintergrund von Regularien und Consultingwesen noch als transparent erscheinend betrachten. Presseberichterstattung, Hitlisten und Ratingagenturen tragen in Teilen hierzu bei.