Das goldene Dutzend: „Bei einer Liquiditätskrise bricht der Goldpreis ein“

Thorsten Pörschmann, 1Sigma

Thorsten Pörschmann, 1Sigma

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DAS INVESTMENT.com: Haben Sie eine persönliche Erinnerung an Ihre erste Begegnung mit Gold?

Thorsten Pörschmann: Hab ich. Meine Frau meinte nachdem ich in der Asienkrise 1998 wieder über Aktien geflucht habe, ich solle lieber was kaufen, was auch sie versteht. Außerdem sei das nun lange genug gefallen. Naja, das war so irgendwie der Anfang.

DAS INVESTMENT.com: Und wann haben Sie das erste Mal ein Investment in Gold schätzen gelernt?

Pörschmann: Das war 2001 als ich wegen der Gold-Allokation Mandanten verloren hatte. Da war mir klar, dass es wahrscheinlich erst recht richtig ist.

DAS INVESTMENT.com: Gilt Gold heute immer noch uneingeschränkt als Krisenwährung?

Pörschmann: Was seit Jahrtausenden gilt, wird nicht plötzlich anders sein.

DAS INVESTMENT.com: Glauben Sie, dass ältere Investoren aus der unmittelbaren Nachkriegsgeneration heute noch ein anderes Verhältnis zu Gold haben als die derzeitige Generation von Investmentbankern?

Pörschmann: Kommt darauf an. Die meisten hatten ja auch damals keins und der Preis war über Jahrzehnte fixiert, der Handel gar nicht so einfach möglich. Nicht alles was auf dem Papier im Nachhinein gut aussieht, hat auch real geklappt. Heute ist Gold ein „Asset“, früher war es doch eher noch ein „Schatz“.

DAS INVESTMENT.com: Was müsste passieren, damit der Goldpreis einbricht?

Pörschmann: Nicht viel. Eine Liquiditätskrise und Aufrufe, verstärkte Sicherheiten zu stellen, so genannte Margin-Calls, reichen aus, und die handelbaren Anlagen - also auch Gold - fliegen als erste raus.

DAS INVESTMENT.com: Rechnen Sie mit massiven Goldverkäufen von Zentralbanken? Wo steht der Goldpreis in 12 Monaten und in 5 Jahren?

Pörschmann: Notenbanken sind, was Gold betrifft, schon historisch schlechte Timer. Die haben seit 20 Jahren verkauft und sind per Saldo seit zwölf Monaten erst auf die Käuferseite gewechselt – solche Trends gehen länger. Also bleiben die erst mal auf der Käuferseite. Preisentwicklung – keine Ahnung. Die Hausse ist mit elf Jahren historisch gesehen irgendwo in der Mitte. Säkulare Bullenmärkte, in denen sich etwas „nur“ verfünffacht, sind eher selten. Faktor 10 vom Tief ist der Normalfall. Da sind wir noch nicht. Aber auf gutem Weg.

DAS INVESTMENT.com: Der kleine Bruder: Ist Silber nicht das viel besser Gold, schließlich wird es verbraucht. Wie beurteilen Sie die abenteuerliche Silber-Hausse?

Pörschmann: Wenn man keine Ahnung hat ... einfach mal nix sagen. Ich hab keine Ahnung. Real gesehen noch kein All-Time-High. Die Preisentwicklung eines VW Golf seit Erstauflage ist beeindruckender.

DAS INVESTMENT.com: Minenaktie oder Metall?

Pörschmann: Metall physisch. Und schon spart man sich legal 25 Prozent Abgeltungssteuer.