Das Goldene Dutzend: „Ich habe mich über die Euro-Dollar-Entwicklung geärgert“

Maria Heiden, Berenberg Bank

Maria Heiden, Berenberg Bank

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DAS INVESTMENT.com: Haben Sie eine persönliche Erinnerung an Ihre erste Begegnung mit Gold?

Maria Heiden: Meine Eltern schenkten mir zur Einschulung eine kleine 10-Gramm-Platine. Schon damals war meiner Familie die Sicherung von Werten außerhalb der Papierwährung wichtig. Während andere Schulkameraden ein Sparbuch erhielten, bekam ich etwas für die Ewigkeit. Sie sollten Recht behalten. Das kleine Stück, das ja nur etwa ein Drittel einer Feinunze ist, habe ich noch heute, allerdings eher aus nostalgischen als aus Anlagegründen.

DAS INVESTMENT.com: Und wann haben Sie das erste Mal ein Investment in Gold schätzen gelernt?

Heiden: Während meines Studiums. Mich haben die Rohstoffmärkte schon immer fasziniert, weil sie maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaft haben. Ich habe über die historische Bedeutung von Gold viel gelesen und dabei manchmal schmunzelnd die kleine Platine meiner Eltern zur Hand genommen. Mein erstes Investment erfolgte dann aber nicht pur in Gold, sondern 2005 über einen Fonds in einen Rohstoff-Index. Kurz vor Einbruch der Märkte bin ich mit einer schönen Rendite ausgestiegen, habe mich aber über die Einbußen durch die Euro-Dollar-Entwicklung geärgert.

DAS INVESTMENT.com: Gilt Gold heute immer noch uneingeschränkt als Krisenwährung?

Heiden: Die Investorenwelt hat viel von der Markowitzschen Theorie „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ gelernt, das heißt Streuung über verschiedene Anlageformen ist zentraler Bestandteil eines jeden Portfolios. Gold ist dabei eine wichtige Komponente und wird vor allem in aktuellen Zeiten eher gewählt als zum Beispiel eine Anlage in Aktien. Europäische Investoren haben bei einer Goldanlage allerdings die Herausforderung, dass Gold nur in US-Dollar gehandelt wird. Sie müssen also zusätzlich mit einem langfristigen Wechselkursrisiko umgehen. Hierfür sind wir als prämierter Partner mit unserem dynamischen Währungsmanagement, dem sogenannten Currency-Protect-Overlay, aber bestens gerüstet.

DAS INVESTMENT.com: Glauben Sie, dass ältere Investoren aus der unmittelbaren Nachkriegsgeneration heute noch ein anderes Verhältnis zu Gold haben, als die derzeitige Generation von Investmentbankern?

Heiden: Nein, denn wir alle sind Kinder unserer Eltern und durch unsere Erziehung geprägt. Die Entwicklung des Anlagemarktes hat dazu beigetragen, dass Portfolios breiter diversifiziert sind, allerdings haben die alten Werte weiterhin Bestand.

DAS INVESTMENT.com: Was müsste passieren, damit der Goldpreis einbricht?

Heiden: Grundsätzlich würde der Goldpreis einbrechen, wenn wir einen massiven Abzug von Investorengeldern sehen. Dafür kann es zwei divergierende Strömungen geben. Zum einen ein massiver Einbruch der Weltwirtschaft, der dazu führen würde, dass Liquidität geschaffen werden muss. Zum anderen eine globale Stabilisierung, die Investoren verstärkt in andere Anlageformen wie etwa Anleihen mit attraktiver Verzinsung oder Aktien mit stabilen Wachstumstendenzen zieht. Tendenziell besteht allerdings eine große und wachsende Nachfrage nach Gold, die unter anderem durch die Entwicklung von Indien und China getrieben wird.

DAS INVESTMENT.com: Rechnen Sie mit massiven Goldverkäufen von Zentralbanken? Wo steht der Goldpreis in 12 Monaten und in 5 Jahren?

Heiden: Aktuell sehen wir keine Tendenzen in diese Richtung. Zentralbanken halten sehr hohe Bestände in US-Dollar und versuchen ihr Portfolio unter der aktuellen Diskussion um die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten weiter zu diversifizieren. Eine Prognose meinerseits sehe ich als wenig werthaltig, da sie nur von externen Faktoren und meinem Bauchgefühl abhängen würde. Ich glaube an trendfolgende Systeme, die systematisch und wissenschaftlich fundiert der Preisentwicklung folgen und die wir sehr erfolgreich einsetzen. So bieten wir unseren Kunden ein Risikomanagement im Goldbereich an, das ihre physischen Bestände an einer weiteren Preissteigerung teilhaben lässt, sie allerdings gegen Preisschocks absichert.