„Das Klima der Weltwirtschaft verschlechtert sich“

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Die Aussichten der Weltwirtschaft werden schlechter. Das Jahr hatte gut angefangen. Das Wachstum im ersten Quartal war ordentlich. Viele zogen daraus den Schluss, dass sich dies so fortsetzen werde und der Beginn eines längerfristigen Aufschwungs sei. Jetzt schlägt die Stimmung um.

Ich war in der vergangenen Woche auf der Frühjahrstagung des Institute of International Finance in Kopenhagen. Dort trafen sich Banker aus allen Kontinenten. Die allgemeine Einschätzung der weiteren konjunkturellen Entwicklung (abgesehen von allen Finanzproblemen) war ausgesprochen negativ.

Ich hatte schon im April geschrieben, dass ich die konjunkturellen Perspektiven nicht so positiv einschätze. Dass sie sich aber so schnell und so stark verschlechtern, hatte ich nicht gedacht.

Keine Alleinschuld Europas

Die meisten führen das auf die Eurokrise zurück. Die Eskalation der Probleme in der Währungsunion ist sicher ein zentrales Thema. Ihr die Hauptschuld an der schwierigen Lage der Weltwirtschaft zuzuschieben ist aber nicht gerechtfertigt.

Der Euroraum macht nur knapp 20 Prozent der Weltwirtschaft aus. Das Wachstum hat sich hier gegenüber 2011 lediglich um 1,5 Prozentpunkte verringert. Das ist zu verkraften. Auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euro haben sich die Unternehmen weitgehend eingestellt. Nur wenn der Euro ganz zerfallen würde (was ich nach wie vor für sehr unwahrscheinlich halte), hätte dies stärkere Rückwirkungen auf die Weltwirtschaft.

Schwächelnde Schwellenländer

Wichtiger für die Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Aussichten ist der Einbruch des Wachstums in den Schwellenländern. In China verringert sich das Wachstum von 9,2 Prozent 2011 auf vielleicht 7,5 Prozent 2012, in Indien von 7,2 Prozent auf vielleicht 5 Prozent. In allen Schwellen- und Entwicklungsländern insgesamt (die rund die Hälfte der Weltwirtschaft ausmachen) von 6,2 Prozent auf vielleicht 5 Prozent.

Das sind absolut gesehen zwar immer noch gute Ergebnisse. Sie reichen aber nicht aus für eine Lokomotive der Weltwirtschaft. Hier zeigen sich zum Teil Strukturprobleme, die schon lange schwelen. Siehe etwa die sinkenden Immobilienpreise in China.

Hinzu kommt die restriktive Geldpolitik, die die Länder zur Bekämpfung der Inflation betrieben hatten und die immer noch nachwirkt. In Russland machen sich die gesunkenen Ölpreise bemerkbar.