Debatte in Davos „Banken betrachten sich selbst als Fintechs“

Podiumsdiskussion beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: Getty Images

Podiumsdiskussion beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: Getty Images

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John Cryan, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, sagte voraus, dass Bargeld binnen eines Jahrzehnts verschwinden wird. Konzernchef Brian Moynihan von Bank of America sagte, sein Unternehmen gebe mittlerweile 3 Milliarden Dollar im Jahr für Codierung aus. JP Morgan Chase und Banco Santander gaben bekannt, dass sie in das Blockchain-Start-up der ehemaligen Bankerin Blythe Masters investiert haben.

„Es hat den Anschein als betrachte sich inzwischen jede Bank als Fintech-Unternehmen“, wunderte sich Taavet Hinrikus, Vorstandsvorsitzender von Transfer Wise, einem Online-Marktplatz aus London, der internationale Überweisungen zu günstigeren Konditionen als Banken ausführt.

Kein einziges Start-up vertreten

Viele Entscheidungsträger aus der Welt der Start-ups waren, wie Hinrikus, zum ersten Mal in Davos dabei, doch die offiziellen Gesprächsrunden wurden in der vergangenen Woche von den etablierten Branchengrößen beherrscht.

Auf der Konferenz, deren offizielles Thema die „Vierte Industrielle Revolution“ lautete, war auf dem Podium einer Diskussionsrunde zum Thema „Die Fintech-Revolution“ kein einziges Start-up vertreten.

Entgangene Erträge in Milliardenhöhe

Die größten Unternehmen in der Finanzdienstleistungsbranche könnten nach einer aktuellen Studie von Oliver Wyman Erträge von bis zu 150 Milliarden US-Dollar an die Fintech-Start-ups verlieren. Auf jede Bank könnten demnach Kosten von über 4 Milliarden US-Dollar für die Aufrüstung der IT-Systeme zukommen.

Das Beratungsunternehmen stellt dem durchschnittliche Dividendenzahlungen von 1,7 Milliarden US-Dollar für die 100 größten Kreditinstitute gegenüber. Die potenziellen Kosteneinsparungen, die sich aus IT-Investitionen ergeben, werden branchenweit auf 340 Milliarden Dollar geschätzt.