Deflationspanik Angst und Euphorie sind schlechte Ratgeber

Wolfgang Juds ist Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

Wolfgang Juds ist Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

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Unter Deflation versteht man einen allgemeinen, signifikanten und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen. Bei Wikipedia ist zu lesen, dass Deflation dann entsteht, wenn sie gesamtwirtschaftliche Nachfrage geringer als das Angebot ist.

Da die Deflation normalerweise in einer Depression auftritt, besteht die Angst, dass wir aktuell vor einem allgemeinen Wirtschaftsabschwung stehen und die Deflation um jeden Preis bekämpft werden muss.

Allerdings haben wir es nach meiner Einschätzung momentan nicht mit einem allgemeinen Preisverfall zu tun, sondern lediglich mit einem Fehlen der Inflation. Einer der wesentlichen Preistreiber der vergangen Jahre ist der Ölpreis gewesen.

Trotz aller Krisen ist dieser jedoch zuletzt signifikant gesunken. Seit Jahresbeginn verlor das Öl der Marke WTI in US-Dollar gerechnet 17 Prozent. Das ist positiv zu bewerten und entlastet den Verbraucher erheblich. Die hohen Energiepreise waren in den vergangenen Jahren einer der stärksten Preistreiber.

Zweitens: Aufgrund der Krise in der Eurozone der letzten Jahre wurden in einigen südeuropäischen Ländern erhebliche Sparmaßnahmen vorgenommen, welche die Wettbewerbsfähigkeit dieser Staaten erhöhen sollten. Dazu gehören auch Lohnsenkungen und moderate Tarifabschlüsse. Auch dieser Effekt führt insgesamt zu niedrigen Preisen.

Drittens: Die Lebensmittelpreise sinken aufgrund von guten Ernten. Die Preise für Mais und Weizen sind in diesem Jahr deutlich zurückgekommen. Auch die Preise für Milchprodukte sind aufgrund von Überkapazitäten zurückgegangen.

Schließlich hat der allgemeine Produktivitätsfortschritt aufgrund der internationalen Arbeitsteilung in manchen Bereichen zu sinkenden Preisen geführt - insbesondere in der Unterhaltungsbranche ist ein Preisverfall bei Elektrogeräten festzustellen.

Diese Faktoren sind grundsätzlich positiv zu bewerten und sollten keine Ängste erzeugen - weder bei den Anlegern noch bei den Verbrauchern.

Sinkende Preise belasten die reale Schuldenlast

Sinkende Preise schaden vor allem denjenigen Staaten und Akteuren, die am stärksten verschuldet sind und nicht mehr von ihren Schulden runter kommen. Insbesondere in den Staaten, die kein Wachstum aufweisen, steigt die reale Schuldenlast weiter an.