Demografie, Politik, Wirtschaft 3 Gründe für Investments in Schwellenländern

Catherine Gether, Portfoliomanagerin des Schwellenländeraktienfonds Kon-Tiki: „Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben sich  überdurchschnittlich gut entwickelt“

Catherine Gether, Portfoliomanagerin des Schwellenländeraktienfonds Kon-Tiki: „Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben sich überdurchschnittlich gut entwickelt“

Seit 2008 waren die Phasen positiver Wertentwicklung eher kurz, doch seit 2016 werden sie immer länger. Wir sind davon überzeugt, dass dies auch zukünftig so sein wird, und Schwellenmärkte weiterhin besonders gute Investmentchancen bieten werden.

Zu den stärksten Märkten in diesem Jahr zählen dabei die Türkei, China und Südkorea. Eine enttäuschende Wirtschaftsentwicklung sehen wir hingegen in Russland, Brasilien und Südafrika. In diesen Ländern dämpfen vor allem auch inländische Probleme die Konjunktur.

Drei Gründe für Investments in Schwellenländern

Die bisherige Leistungsbilanz der Schwellenmärkte ist hervorragend: Seit über zehn Jahren haben sie in jedem einzelnen Quartal mehr als 50 Prozent zum weltweiten Wachstum beigetragen. Vergleicht man die Unternehmensgewinne seit 1980, so fallen die jährlichen Gewinne je Aktie mit 9,5 Prozent (USD) in den Emerging Markets deutlich höher aus, als in den entwickelten Märkten, die im gleichen Zeitraum 5,5 Prozent (USD) erzielten.

In diesem Sommer wurden zahlreiche Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die auf eine Fortsetzung der weltweiten Konjunktur hindeuten. Die Schwellenmärkte sind und bleiben dabei die Treiber des globalen Wachstums, was sie deutlich von den entwickelten Märkten unterscheidet. Denn laut den neuesten Prognosen des Internationalen Währungsfonds, IWF, wird auch 2017 / 2018 eine große Wachstumslücke zwischen den Schwellenmärkten und den Märkten der Industriestaaten bestehen bleiben.

Vorsprung durch demographische Entwicklung und Verstädterung

Unserer Meinung nach basiert das besonders starke Wachstum der Schwellenmärkte auf zwei übergeordneten Entwicklungen. Zum einem existiert eine günstige demographische Situation. Laut den Vereinten Nationen (UN) wird 97 Prozent des globalen Bevölkerungswachstums bis zum Jahr 2050 in den Schwellenländern stattfinden. Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird somit um ein Vielfaches größer sein, als in den Industriestaaten. Einer aktuellen UN-Statistik zufolge wird sich die Anzahl der zusätzlichen Verbraucher und Arbeitskräfte in den kommenden 35 Jahren um 2,3 Milliarden erhöhen, während es in den Industriestaaten weniger als 100 Millionen sein werden. Dadurch werden Schwellenländer unabhängiger und eigenständiger.

Zum anderem ist eine zunehmende Verstädterung in den Emerging Markets erkennbar. Mit einem Urbanisierungsgrad von etwa 50 Prozent gegenüber 80 Prozent in den Industrieländern ist dieser Trend noch lange nicht abgeschlossen und bietet vor allem Raum für Infrastrukturprojekte.

Korrektur der Gewinnprognosen

Eine Ursache für die schwache Aktienperformance der Schwellenländer während der letzten Jahre liegt in den häufig nach unten korrigierten Ergebnisprognosen. In 2017 hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt, und die Gewinnprognosen wurden bis in die aktuelle Berichtssaison hinein nach oben korrigiert. Für das Jahr 2017 wurden die Prognosen zu den Gewinnen je Aktie von 15 Prozent auf mehr als 20 Prozent nachjustiert.

Wirtschaftliche und politische Lage verbessern sich

Ein weiterer Grund, warum wir Schwellenmärkte positiv bewerten, liegt in den Fundamentaldaten, die sich im Vergleich zur Vergangenheit einerseits und im Vergleich zu den Industriestaaten andererseits deutlich verbessert haben.

Darüber hinaus erscheinen ihre Währungen mit Blick auf die Kaufkraftparität insgesamt günstig. Zusammengenommen sollte den Schwellenländern daher Spielraum für eine Geldaufwertung bleiben, wenn sich ihre Wirtschaftsleistung pro Kopf derjenigen der Industriestaaten annähert.

Das politische Risiko ist in den Schwellenmärkten in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, im Vergleich zu den Industrieländern jedoch relativ stabil geblieben. Unter Berücksichtigung der aktuellen Weltlage kann man sogar die Frage stellen, ob das Risiko in den entwickelten Ländern auf kurze Sicht in Wirklichkeit nicht sogar höher ist. Zumindest kann man davon ausgehen, dass Anleger in den Schwellenmärkten an das politische Risiko gewöhnt sind, und dieses in den Bewertungen daher genauer abgebildet wird.