Demografischer Wandel macht’s nötig Mit Fonds ins hohe Alter

Bestes Beispiel für unsere alternde Gesellschaft: Carmen Dell'Orefice, die mit 83 Jahren immer noch modelt. (Foto: Bloomberg)

Bestes Beispiel für unsere alternde Gesellschaft: Carmen Dell'Orefice, die mit 83 Jahren immer noch modelt. (Foto: Bloomberg)

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Menschen unterschätzen ihre eigene Lebenserwartung systematisch. Laut Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Aktuarwissenschaften (Ifa) in Ulm, hat das auch einen ganz einfachen Grund.

Sie gehen nämlich vom Todeszeitpunkt ihrer Eltern und Großeltern aus. Doch die Lebenserwartung steigt pro Jahrzehnt um zweieinhalb Jahre. „Das heißt, wir im Schnitt 15 Jahre länger als unsere Großeltern“, rechnet Ruß vor. Das Risiko, dass Menschen ihr Erspartes überleben, nimmt daher zu.

Natürlich gibt es klassische Rentenversicherungen, die eine lebenslange Rente garantieren, „aber die richten sich heute vorwiegend an eher risikoscheue Kunden“, findet Ruß. Auch bei Fondspolicen wird das Guthaben in der Regel zum Start der Rentenphase in den Deckungsstock des Versicherers umgeschichtet, und davon die Rente gezahlt.

Ein wenig mehr Schmackes darf es bei rund 20 oder 30 Jahren Rentenphase ruhig sein. Aktien- oder Fondsinvestments sind für viele Sparer wahrscheinlich wieder zu viel des Guten – und es besteht nach wie vor das Risiko, dass das Guthaben zu früh aufgezehrt wird.

Die Mischung aus beiden Varianten - Fondsinvestment aus dem die garantierte Rente bezahlt wird - gibt es bereits (siehe Tabelle). „Da die Ertragsfrage durch die niedrigen Zinsen mehr und mehr in den Vordergrund rückt, sehen wir gute Chancen, unsere Renten-Versicherungen als Alternative zu klassischen Policen am Markt zu platzieren“, sagt Günther Soboll, Hauptbevollmächtigter von Canada Life Deutschland. Canada Life ist mit der Garantie Investment Rente bereits seit 2009 am Markt.

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Der Versicherer Aegon hat die Secure DepotRente im vergangenen Jahr gestartet. Die Erfahrungen des Versicherers mit ähnlichen Produkten in den USA und Japan war so gut, dass der Versicherer nun auch in Deutschland angreifen will.

„Nur etwa 50 Milliarden Euro des Vermögens, das deutsche Sparer bei Versicherern angelegt haben, wird verrentet“, sagt Torsten Haupt, General Manager bei Aegon in Deutschland. „Die restlichen 900 Milliarden Euro liegen unverrentet rum. Das Potenzial ist also riesig.“

Anbieter wie die Basler (Belrenta) und Allianz (Invest4Life) waren in diesem Segment mal aktiv, haben ihre Produkte aber wegen unternehmensinterner, strategischer Überlegungen oder wegen Marktgegebenheiten wieder eingestellt. „Die gegenüber dem Einführungsjahr 2008 veränderten Kapitalmärkte – insbesondere, was die Zinsen angeht – hätte eine deutliche Anpassung der Konditionen erforderlich gemacht“, heißt es von der Allianz.

Was machen die Produkte nun?

Erstmal funktionieren sie wie ein normaler Bank- oder Fondsentnahmeplan. Der Kunde investiert einen Einmalbeitrag in einen Fonds und erhält dafür eine feste monatliche Auszahlung. Unterschied Nummer 1 ist, dass diese Rente nur steigen oder gleich bleiben, aber nicht sinken kann, selbst wenn der Fondswert sinkt.

Einzige Ausnahme: Der Kunde entnimmt Teile seines Vermögens, das verringert die Rentenbasis und damit auch die monatliche Rente. Steigt der Fondswert aber, locken die Versicherer jedes Jahr neue Höchststände ein und berechnen daraufhin die neue Rente.

Der zweite Unterschied ist die eigentliche Versicherungsleistung. Ist das Fondsguthaben aufgebraucht, zahlt der Versicherer die Rente weiter, bis der Versicherte stirbt. Dafür erhebt der Versicherer eine Garantiegebühr, die sich an der Rentenbasis orientiert - je größer das Guthaben des Kunden ist, desto höher ist auch die Gebühr.

Die Garantien sichern die Gesellschaften dabei über Derivate, genauer Futures und Swaps ab. Sie müssen sich genau entgegengesetzt zu den Aktien- und Anleihepapieren im Fonds entwickeln. Bricht der Fonds ein, steigen die Derivate im Wert – der Versicherer kann die Rente weiter zahlen.

Diese Art der Garantiestellung hat aber Folgen. Erstens müssen die Märkte liquide sein, damit auch ausreichend Derivate zur Absicherung zur Verfügung stehen – exotische Märkte sind damit schon mal außen vor. Zweitens müssen die Fonds einigermaßen berechenbar sein. Das heißt, dass nur wenige Fonds zur Wahl stehen. Und dass die Produkte in sich schon Sicherheitsmechanismen bergen – was die Renditechancen reduziert.

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