Demographischer Wandel Die Weltwirtschaft wird alt – aber auch weise?

Alt werden ist nicht für alle eine Vergnügen. Die Weltwirtschaft kämpft mit den Folgen des demographischen Wandels. Foto: (Getty Images)

Alt werden ist nicht für alle eine Vergnügen. Die Weltwirtschaft kämpft mit den Folgen des demographischen Wandels. Foto: (Getty Images)

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Ein kurzer Blick auf die Daten ist aufschlussreich: Laut der US-Statistikbehörde sind von den 7,3 Milliarden Menschen auf der Erde schätzungsweise 617 Millionen 65 Jahre oder älter. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 8,5 Prozent. Bis zum Jahr 2050 dürfte diese Zahl auf ungefähr 1,6 Milliarden beziehungsweise 20 Prozent der Weltbevölkerung steigen. In anderen Worten: Etwa jeder fünfte Mensch wird in 30 Jahren älter als 65 Jahre sein.

Bemerkenswerterweise wird es im Jahr 2020 – zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit – mehr Personen im Alter von über 65 Jahren geben als im Alter von unter fünf Jahren. Dieses Ungleichgewicht dürfte in Zukunft noch zunehmen: die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen wird steigen, während der Anteil der jungen Menschen schrumpfen wird.

In weniger entwickelten, bis vor kurzem sehr kinderreichen Ländern, vor allem in Asien und Lateinamerika, wird diese Entwicklung aller Voraussicht nach sogar noch viel schneller ablaufen. Auch hier dürfte in weniger als zwei Jahrzehnten die Altersgruppe 65+ diejenige der unter fünfjährigen übertreffen (siehe Grafik).

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Schwellenländer: Bevölkerung wird alt, bevor sie zu Wohlstand gelangt

Auch die Geschwindigkeit, mit der die Bevölkerungen einzelner Länder altern, wächst exponentiell. Ein häufig verwendetes Maß für die Alterungsrate ist die Anzahl an Jahren, die vergehen, bis sich der Anteil der Bevölkerungsgruppe 65+ an der Gesamtbevölkerung von 7 Prozent auf 14 Prozent verdoppelt.

In den meisten Industrieländern, wo eine solche Verdopplung bereits stattgefunden hat, vollzog sich diese Entwicklung im Durchschnitt über einen Zeitraum von etwa 75 Jahren. In Frankreich beispielsweise dauerte der Prozess 115 Jahre, in Australien 73 Jahre, in Schweden 85 Jahre und in den USA 65 Jahre.

Die Weltgesundheitsorganisation und andere haben beobachtet, dass die Bevölkerung in einigen der heutigen Schwellenländer – im Gegensatz zu den Industrieländern im 20. Jahrhundert – alt wird, bevor sie zu Wohlstand gelangt.

Für diesen Unterschied gibt es zahlreiche Gründe, darunter die Fähigkeit, das menschliche Leben zu verlängern; die moderne Medizin; eine effizientere Landwirtschaft; und gesellschaftspolitische Maßnahmen (wie beispielsweise die Geburtenkontrolle in China). Was auch immer der genaue Grund ist: Es handelt sich um ein völlig neues Phänomen, und um eines, das erhebliche wirtschaftliche, soziale und geopolitische Implikationen für die Welt haben könnte.

Status Quo der Weltwirtschaft – nicht gerade rosig

Die Welt wird grauer, aber wird sie auch weiser? Was bedeutet die Alterung aus einer wirtschaftlichen oder, genauer gesagt, einer marktwirtschaftlichen Perspektive?
Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einen genauen Blick auf die Verfassung der Wirtschaft. Was haben die Anstrengungen der Zentralbanken, die Welt mit Papiergeld zu überfluten, tatsächlich gebracht? Keine Frage, eine potenziell katastrophale globale Depression und einen vollständigen Zusammenbruch des US-Bankensystems konnte verhindert werden. Stattdessen erlitt die Weltwirtschaft lediglich einen Dämpfer erlitten (der rückblickend als die Große Rezession bezeichnet wird).

Darüber hinaus wurden Risikoanlagen gestützt (in einigen Fällen wahllos), auf Kosten der wahren, fundamentalen Bewertungen und der Alphachancen. Aber haben sich diese Maßnahmen mit Blick auf das Wirtschaftswachstum ausgezahlt? Basierend auf den neuesten Projektionen, nicht besonders.