Depotübertragung: "Drei Dinge ändern sich"

Was ändert sich für den Kunden, wenn sein Depot in den Bestand einer anderen Bank übergeht? „Drei Dinge“, sagt ein Experte. (Foto: Fotolia/KHZ)

Was ändert sich für den Kunden, wenn sein Depot in den Bestand einer anderen Bank übergeht? „Drei Dinge“, sagt ein Experte. (Foto: Fotolia/KHZ)

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Prozessverschlankung, Effizienzsteigerung, Outsourcing: Das sind die Schlagwörter, die in nahezu jedem Management-Ratgeber zu finden sind. Unwichtige Aufgaben auslagern, nicht einträgliche Geschäftsfelder abstoßen und sich voll und ganz auf das Kerngeschäft konzentrieren, so das Mantra, das zahlreiche Unternehmenslenker schon längst verinnerlicht haben dürften. Wie Sal. Oppenheim.

Im Juli gab die Deutsche-Bank-Tochter bekannt, dass sie das Führen von Investmentdepots einstellen wird. Zum 1. Januar 2014 übergibt die Fondsvertriebsgesellschaft von Sal. Oppenheim, Oppenheim Fonds Trust, ihre rund 82.000 Kundendepots an den Mitbewerber Fil Fondsbank (FFB).

„Eine strategische Entscheidung“, kommentiert Marco Schmitz, Geschäftsführer von Oppenheim Fonds Trust, das Vorhaben. Da Sal. Oppenheim das Publikumsfondsgeschäft größtenteils auf die Schwestergesellschaft DWS überträgt, zähle das Führen von Kundendepots nicht mehr zum Kerngeschäft der Bank.

Oppenheim Fonds Trust ist erst der Anfang, meinen Branchenexperten. „Gesetzliche Änderungen und aufsichtsrechtliche Vorgaben lassen die Kosten bei den depotführenden Stellen nach oben schnellen“, erklärt Jürgen Klöck, Bereichsleiter Produktmanagement & Treasury bei der Fondsplattform Ebase.

Sie müssen ihre IT-Systeme, Bedingungen, Formulare und Depotauszüge anpassen, ihre Geschäftsprozesse und deren Dokumentation ändern. „In der Folge steigen die Stückkosten je Depot, die sich jedoch nur begrenzt an den Endkunden weitergeben lassen“, so Klöck.

„Die gestiegenen Anforderungen könnten gerade kleinere Banken dazu bringen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken“, sagt auch Norwin Schörrig, der bei der Nürnberger Direktbank Cortal Consors die Betreuung von Geschäftskunden verantwortet.

Doch was ändert sich für den Kunden, wenn sein Depot in den Bestand einer anderen Bank übergeht? „Drei Dinge“, erklärt Schmitz. Der Kunde bekommt eine neue Bank als Ansprechpartner und muss seine Depot-Informationen auf einer anderen Website abrufen.

Außerdem kann sich das Gebührenmodell ändern. Ohne Zustimmung des Kunden sind solche Änderungen nicht wirksam. Daher teilen die depotführenden Banken den Kunden den Wechsel schriftlich mit. Dabei räumen die meisten den Kunden eine Widerspruchsfrist ein. Meldet sich der Kunde nicht zurück, geht sein Depot automatisch an die neue Bank über.

Technisch stellt dieser Übergang in der Regel kein großes Problem dar. Denn die Wertpapiere befinden sich nicht in den Tresoren der depotführenden Bank, sondern liegen bei der zentralen Verwahrstelle Clearstream.

Alle Papiere haben eine Art Code: Dieser gibt unter anderem an, zu welcher Bank das Wertpapier gehört. Bei einem Depotübertrag beantragen die beiden beteiligten Banken eine Code-Änderung. Anschließend legt die Bank das neue Konto in ihrer IT-Infrastruktur an.