„Der Aufschwung Großbritanniens fällt stärker aus als erwartet“

Philippe Lecoq

Philippe Lecoq

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Auf den Märkten regiert nach wie vor Vorsicht: Dennoch lässt sich, ausgehend von der Mitte Europas, ein klarer Trend in Richtung wirtschaftlicher Stabilisierung und Aufschwung erkennen. Die EZB hat durch eine flexiblere Geldpolitik das Vertrauen in die Märkte gestärkt.

Nach wie vor gibt es anfällige Bereiche, vor allem in Bezug auf Verschuldung und Staatsdefizite, aber die Risiken nehmen ab. Schwache Märkte profitieren von Kapitalzuflüssen, insbesondere aus den USA. Dieser Trend trägt dazu bei, dass sich die Preise für Finanzanlagen - insbesondere Immobilien - stabilisieren.

Banken, die von diesen Zuflüssen profitieren, konzentrieren sich verstärkt auf Bilanzrestrukturierung, unter anderem durch gezielte Vermögensveräußerungen. Solange es mittelfristig bei einem begrenzten Zinsanstieg bleibt, dürfte dieser Aufschwung im Jahr 2014 für moderates Wachstum sorgen.

Eine wichtige Beobachtung ist, dass der der Aufschwung in Großbritannien stärker ausfällt als erwartet. Grund hierfür ist der Abschwung des Pfunds, eine gezielte Währungspolitik sowie steigender Konsum. Die Erholung auf dem Immobilienmarkt ist ein klares Beispiel für diesen Aufschwung.

Europäische Transaktionen im Aufschwung

Diese positiven Entwicklungen haben im Verlauf des Sommers zu einem beachtlichen Anstieg des Auftragsvolumens am Transaktionsmarkt geführt, insbesondere in der Telekommunikationsbranche.  Als Beispiele seien die Veräußerung der Mobiltelefonsparte von Nokia an Microsoft zum Preis von 5,4 Milliarden Euro genannt sowie der Erwerb von 45 Prozent der Vodafone Anteile an Verizon Wireless Joint Venture für etwa 130 Milliarden Euro durch Verizon selbst – eine der bislang zehn größten Transaktionen.

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Ebenso beachtenswert ist das Angebot von America Movil an KPN, im Anschluss an den Verkauf der E-Plus-Tochtergesellschaft für 8 Milliarden Euro durch KPN an Telefonica im Juli. Weitere Beispiele sind die Übernahme des irischen Unternehmens Elan Corp durch Perrigon in den USA sowie der Ausbau des England-Geschäfts von GDF Suez, durch den Ankauf der Gebäudemanagementsparte von Balfour Beatty.

Der Aufschwung im Transaktionsmarkt in diesem Sommer macht deutlich, dass Unternehmen über genügend Liquidität verfügen, um Transaktionen abzuschließen, ohne Schulden machen oder Bezugsrechte ausgeben zu müssen. Auch zeigt sich in dieser Entwicklung die Entschlossenheit der Unternehmen, strategische Sackgassen zu überwinden, um einen Wertzuwachs für die Aktionäre zu schaffen.

Dennoch unterscheidet sich der aktuelle Marktzyklus von Vorangegangenen. Transaktionen sind nicht unbedingt Übernahmeangebote. Unternehmen sind vorsichtiger geworden, was Risiken öffentlicher Übernahmeangebote in puncto Abwicklung, Gesellschaftsrisiken und Kartellgesetzgebung betrifft. Ausgelöst durch die Finanzkrise achten Unternehmen noch stärker darauf, für Übernahmen nicht zu viel zu bezahlen. Bevorzugt werden Deals mit Low-Cash-Komponenten, um hohe Verschuldung zu vermeiden.

Zudem sind Veränderungen bei der Corporate Governance der Unternehmen zu verzeichnen: Aktionäre besitzen mehr Entscheidungsbefugnis und müssen gezielt für die strategischen Entscheidungen der Unternehmensführung gewonnen werden. Durch diese Umgestaltung und Neuordnung wird das Thema weniger zyklisch werden: Exzesse der Vergangenheit können so vermieden und Zukunftsperspektiven verlängert werden. Wir befinden uns erst am Anfang eines Zyklus, der voraussichtlich zwei bis drei Jahre andauern wird.