„Der Entzug der US-Zollvorteile wird uns hart treffen“

Ghulam Muhammed Quader, Quelle: BDnews24.com

Ghulam Muhammed Quader, Quelle: BDnews24.com

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DAS INVESTMENT.com: Der Einsturz der Textilfabrik in Savar am 24. April 2013 hat Folgen für die gesamte Wirtschaft des Landes. US-Präsident Barack Obama hat die gewährten Zollvorteile für Bangladesch solange eingefroren bis die Arbeitsbedingungen in Bangladesch besser werden. Wie gehen Sie damit um?

Ghulam Muhammed Quader:
Zunächst haben die zuständigen Regierungsstellen alles nötige getan, um möglichst viele von der Opfer und Betroffenen zu retten und zu unterstützen. Im Nachgang haben wir dann einige Anhörungen mit Verantwortlichen geführt und mittlerweile elf Anklagen gegen die unterschiedlichen Eigentümer der Fabrikanlage erhoben. Allgemein haben wir mit dem Bangladesh Labour Act bereits 2006 ein Regelwerk geschaffen, das die Arbeitsbedingungen von Fabrikmitarbeitern und Angestellten verbessern sollen.

Der Entzug der Zollvorteile durch die USA dürfte verschiedene direkte und indirekte Auswirkungen auf Bangladeschs Wirtschaft haben. Noch ist es zu früh für konkrete Zahlen, aber einige Exportfirmen, die vor allem nach Amerika ihre Waren liefern, dürften direkt darunter leiden. Deren Zahl ist aber nicht allzu groß. Die indirekten Auswirkungen dürften dagegen weitaus größer sein. Allein die Signalwirkung des Entzugs der Zollvorteile dürfte Käufer von Produkten unseres Landes abschrecken.

Des Weiteren könnte Barack Obamas Politik andere Industrieländer, darunter auch die Länder der Europäischen Union, ermutigen, ebenfalls Maßnahmen gegen Bangladesch zu ergreifen. Da die Export-orientierten Branchen vor allem arbeitsintensiv sind, würden dadurch viele Jobs in Gefahr geraten. Gerade in der Textilindustrie wären viele weibliche Angestellte betroffen. Der Erfolg der Branche hatte in den vergangenen Jahren vielen Frauen die Möglichkeit zu einem eigenen Einkommen und einer eigenen Lebensgestaltung gegeben. Diese Errungenschaften sind jetzt in Gefahr.

Bangladesch ist bekannt als Standort für Textilhersteller. Was unternehmen Sie gegen die einseitige Abhängigkeit von diesem Wirtschaftszweig?

Quader:
Wie die Wirtschaft diversifiziert werden soll, hat die Regierung 2011 einen 10-jährigen Entwicklungsplan vorgelegt. Bis 2021 soll eine kritische Schwelle bei der Zahl der Haushalte mit mittlerem Einkommen erreicht werden. Dazu wollen wir die Exportindustrie breiter aufstellen und vereinfachen dafür die Regulierung und senken gegebenenfalls Zölle, um weitere private Investitionen anzulocken. Die Verbesserung sollen vor allem die Infrastruktur für den Handel sowie die Sektoren Energie, Telekommunikation und Finanzen betreffen.

Zudem haben wir unter der Führung des Wirtschaftsministeriums mehrere sogenannten Business Promotion Councils gegründet. Sie sollen als Plattform für Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor fungieren und zu mehr Effizienz und Produktivität in den bisher unterrepräsentierten Exportsektoren führen, indem wir Problem auf der Angebotsseite gemeinsam lösen. Potenzial sehen wir vor allem bei den Informations- und Kommunikationstechnologien, der Leder-Industrie, der Fischerei und dem Handel mit gefrorenem Fisch, medizinischen und Garten-Pflanzen sowie verarbeiteten Agrarrohstoffen.