"Der Euroraum rutscht in eine milde Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit ab"

Holger Sandte

Holger Sandte

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2011 wird aus volkswirtschaftlicher Sicht als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Staatsschuldenkrise eskalierte. Unter Investoren war „gefühlte Sicherheit“ gefragt, was die Renditen von Bundesanleihen auf neue Rekordtiefstände trieb. Vom Mut und Geschick der Wirtschaftspolitik wird abhängen, ob das kommende Jahr letzten Endes im Zeichen der Stabilisierung stehen wird. Davon gehen wir aus, ohne dabei die auf dem Weg liegenden Risiken auszublenden.

So regelmäßig wie im Herbst die Blätter fallen, arbeiten Volkswirte in dieser Jahreszeit an ihren Ausblicken für das kommende Jahr und werfen dabei auch einen kritischen Blick zurück auf die Prognosen für das laufende Jahr. Der Grundtenor der volkswirtschaftlichen Einschätzungen von vor einem Jahr war in einigen Aspekten zutreffend, in anderen nicht: •    Moderate Verlangsamung in Emerging Markets – so ist es gekommen.

•    Kraftlose Erholung in den USA, konstante Leitzinsen der Fed – Haken dran.

•    Insgesamt wenig Wachstum in den Industrieländern – es wurde noch etwas weniger als erwartet, u.a. aufgrund der dreifachen Katastrophe in Japan und des zwischenzeitlich kräftigen Ölpreisanstiegs.

•    Die deutsche Wirtschaft wird im Jahr 2011 um rund 3 Prozent wachsen und hat damit die Erwar¬tungen übertroffen.

•    Konstante EZB-Leitzinsen – hätte die EZB die beiden Zinsanhebungen vom April und Juli bloß unterlassen, dann müsste sie sie jetzt nicht zurückdrehen.

Unzutreffend war die Grundeinschätzung, dass sich das Wachstum im Euroraum im Jahres-verlauf festigen würde. Vielmehr haben die Ölpreishausse, die Ereignisse in Japan und die Eskalation der Staatsschuldenkrise das Geschäftsklima so stark gedrückt, dass inzwischen viel für eine Rezession im Winterhalbjahr 2011/12 spricht.

Zudem traf die Erwartung steigender Renditen 10-jähriger Bundesanleihen nur bis zum April zu, als das Jahreshoch von 3,49 Prozent erreicht wurde. Danach rauschten die Renditen in mehreren Stufen nach unten bis auf das neue Rekordtief von 1,69 Prozent im September – 180 Basis¬punkte unter dem Jahreshöchststand. In einer größeren Spannweite hatten sich die Renditen in den vergangenen 20 Jahren nur in den beiden Zinsanstiegsjahren 1994 und 1999 bewegt. Allein das zeigt schon, wie turbulent das Finanzmarktjahr 2011 war.