Der Fall „Elgin“: Was Anleger lernen sollten

Ralf Müller-Rehbehn von der VCH Vermögens- <br> verwaltung

Ralf Müller-Rehbehn von der VCH Vermögens-
verwaltung

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Zunächst ein nüchterner Blick auf die Ursachen des Zwischenfalls an der Elgin-Plattform. Die betreffende Förderstelle war bereits seit fast zehn Jahren stillgelegt und nach allen Informationen ordnungsgemäß vom Plattform-Betreiber Total verschlossen und gegen ausströmendes Gas gesichert worden. 

Vermutlich durch tektonische Verschiebungen scheint  allerdings seit mehreren Wochen zusätzliches Erdgas-Erdöl-Gemisch („Kondensat“) aus einer anderen vorhandenen, nicht abgebauten Gasblase in rund 4.000 Metern Tiefe ausgeströmt zu sein.

Der Fall unterscheidet sich demnach vom Zwischenfall auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko 2010, der wohl auch auf ungenügende Einhaltung von Vorschriften, Verstöße gegen Sicherheitsbedingungen und ungenaue beziehungsweise widersprüchliche Spezifizierungen entscheidender Teile zurückzuführen war.

Förderunternehmen tun etwas

Es gilt also: Nach wie vor ist jeder Einzelfall genau zu analysieren, die Risiken haben aber nicht systematisch zugenommen. Im Gegenteil – fast alle Unternehmen spielen in der Analyse möglicher Risiken immer härtere und damit unwahrscheinlichere Situationen durch.

Insofern ist auch die Rolle der Medien und der Investoren positiv hervorzuheben, die durch ihre Berichterstattung und Anforderungskriterien den Druck auf die Unternehmen erhöhen und so für eine Durchsetzung höherer Sicherheitsstandards sorgen.

Profit ist nicht alles

Zugleich muss uns der aktuelle Elgin-Zwischenfall ein Fingerzeig sein, dass wir mit dem Erreichten noch nicht zufrieden sein können. Als Investoren haben wir ein starkes Interesse daran, dass die Unternehmen – und das schließt neben Plattform-Betreibern auch Explorations- oder Minenunternehmen ein – jede sinnvolle Sicherheitsmaßnahme ergreifen.

Dementsprechend sollten Investoren Unternehmen im kritischen Dialog herausfordern. Das heißt vor allem: Fragen stellen und sich der Verantwortung als Aktionär bewusst sein, statt kurzfristig den Profit maximieren zu wollen.

Ganz konkret können Aktionäre bei den Unternehmen detaillierte Angaben zu Arbeitsunfällen und damit in Verbindung stehenden Ausfällen beim  Personal erfragen. Denn in Firmen, in denen sich Arbeitsunfälle häufen, sind auch andere Sicherheitsprobleme nicht unwahrscheinlich. Zudem sollte man darauf achten, dass es in den Unternehmen eine direkte Auswirkung auf die Vergütung des Managements hat, wenn Schadensfälle auftreten und wirtschaftliche Folgen haben.