Der große Anlagenotstand

Peter E. Huber, Starcapital

Peter E. Huber, Starcapital

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Wir befinden uns in einer hochbrisanten Situation. Tausende von Milliarden an Termingeldern werfen praktisch keine Zinsen mehr ab. Auch Anleihen von Emittenten guter Bonität bringen keine Rendite mehr. US-Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit verzinsen sich gerade noch mit 0,67%, deutsche Bundesanleihen mit 0,56%. Vor kurzem brachte Siemens eine zweijährige Anleihe mit einem Zins von 0,375% an den Markt.

Zu so niedrigen Zinsen konnte sich noch nie ein Unternehmen Geld besorgen. Versicherungen, Pensionskassen und andere institutionelle Anleger geraten dadurch in einen akuten Anlagenotstand, denn sie brauchen eine bestimmte Mindestrendite, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können.

Die 1000-Dollar-Frage lautet nun, ob diese Investoren nicht doch wieder stärker zu Aktien greifen werden. Bisher verlief der Börsenaufschwung – zumindest in Europa – bei niedrigen Umsätzen sehr selektiv und konzentrierte sich auf wenige Aktien. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass angesichts der Rezessionsgefahren noch keine echten Anlagekäufe stattgefunden haben.

Trotzdem hat es der Index für europäische Aktien, der EuroStoxx50, geschafft, aus seinem langfristigen Abwärtstrend nach oben auszubrechen. Ein Zeichen für eine echte Trendwende wäre es, wenn dieser Index seinen Widerstand bei 2600 Punkten mit steigenden Umsätzen nach oben überwinden könnte.

Von der Bewertungsseite kann man sich ein solches Szenario durchaus vorstellen, denn viele europäische Aktien sind historisch niedrig bewertet und die Stimmung der Anleger ist weiter mehr von Furcht als von Euphorie bestimmt! In der Vergangenheit haben sich zudem Rezessionsphasen oft als gute Einstiegszeitpunkte erwiesen.

Doch was könnte der Katalysator für eine stärkere Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten sein? Wir leben ja inmitten zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Krisenherde (die allerdings bereits hinlänglich im Bewusstsein der Menschen verankert sind).