„Der Markt für Mittelstandsanleihen muss sich weiterentwickeln“

Gerhard Rosenbauer

Gerhard Rosenbauer

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Gerhard Rosenbauer verstärkt seit 15. Oktober das Portfoliomanagement von Johannes Führ Asset Management. Das Finanzdienstleistungsinstitut managt den Johannes Führ Mittelstands-Rentenfonds AMI (WKN: A0YAYG, Tranche für Institutionelle: A0YAYH).

Der Markt für deutsche Mittelstandsanleihen entstand unmittelbar aus den Folgen der Finanzmarktkrise. Der mit dieser in den Jahren 2008/2009 einhergehende Anpassungsprozess bei Bankinstituten (Deleveraging) führte unter anderem dazu, dass die Finanzintermediäre nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt dazu bereit waren, Unternehmen mit ausreichend Finanzmitteln zu versorgen.

Die bestehenden Kreditengagements (Risiken) wurden sogar massiv zurückgeführt. Schlagworte wie „Systemrelevanz“ oder „Stresstest“ prägten die Tagesordnung bei den Finanzinstituten. Mit der geplanten Einführung von Basel III wurde das Problem noch weiter zugespitzt, da die Eigenkapitalanforderungen vonseiten der Aufsichtsbehörden deutlich angehoben wurden.

Mittelstandsfinanzierung in Gefahr

Von dieser Entwicklung wurde insbesondere der deutsche Mittelstand hart getroffen. Die Refinanzierung der Unternehmen war demzufolge erheblich eingeschränkt.

Während Großunternehmen zwar einerseits von diesen Veränderungen ebenso betroffen waren, konnten sie jedoch andererseits zumeist den in- und ausländischen Kapitalmarkt anzapfen und somit ihre Finanzierung sicherstellen.

Diese Möglichkeit ist jedoch vielen mittelständischen und familiengeführten Betrieben zumeist verschlossen, und das verstärkte auch auf der politischen Ebene die Sorgen um die Wirtschaftslage in Deutschland.

Wie wichtig der Mittelstand für die deutsche Wirtschaft ist, belegt nochmals eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM): So erwirtschafteten im vergangenen Jahr die mittelgroßen Unternehmen rund 30 Prozent der gesamten wirtschaftlichen Leistung des Landes.

Darüber hinaus leisteten die mittelständischen Firmen ihren Beitrag zur – vor allem im europaweiten Vergleich – sehr guten Arbeitsmarktlage in Deutschland. Rund ein Drittel von ihnen stellte 2012 zusätzliche Mitarbeiter ein und schuf über 100.000 neue Arbeitsplätze.

Finanzierungsalternative für den deutschen Mittelstand

Mit der Emission der Windreich AG wurde im Jahr 2010 am deutschen Finanzmarkt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Seitdem ist der Markt auf über 100 Anleihen mit einem geschätzten Emissionsvolumen von rund fünf Milliarden Euro gewachsen, also ein durchaus attraktives Marktsegment für viele Investoren.

Die Branchenschwerpunkte liegen aktuell bei Emittenten aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bereich der erneuerbaren Energien und aus der Immobilienwirtschaft. Vor allem aber sind eine Vielzahl bekannter Markennamen aus dem deutschen Mittelstand wie die Spirituosenhersteller Underberg und Berentzen, der Süßwarenproduzent Katjes, die Textilhersteller Eterna und Seidensticker, die Modeunternehmen René Lezard, Laurèl und More & More vertreten.

In der Regel werden die Anleihen mit einem attraktiven Kupon von über 6 Prozent ausgestattet und bieten daher für viele Investoren eine interessante Alternative zu den deutlich niedrigeren Zinsen von Bundesanleihen oder dem traditionellen Anlageklassiker der Deutschen: das Sparbuch.

Anleihen: Höhere Kosten, aber auch Vorteile

Auch wenn die Kosten für den Emittenten in der Regel deutlich höher liegen als bei klassischen Unternehmenskrediten, so hat diese Refinanzierungsquelle doch durchaus ihre Vorteile. Denn die Anleihen haben eine feste Laufzeit, sodass für das Unternehmen Planungssicherheit besteht.

Des Weiteren ging mit der Finanzmarktkrise ein starker Rückgang der Zinsen am Kapitalmarkt einher. Vor allem private Anleger, die auf der Suche nach einem höheren Ertrag die Risiken an anderen Märkten wie den Aktienbörsen scheuten, waren daher die Hauptnachfrager der zumeist mit einem geringen Volumen begebenen Bonds.

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen sind zudem die relativ geringen und damit kostengünstigen Publizitätspflichten und sonstigen Auflagen bei der Begebung solcher Schuldverschreibungen. Wie sich heute zeigt, ist dies gleichsam ein wesentlicher Faktor für die jüngsten Rückschläge am Mittelstandsmarkt.

Dass bei einer Investition in Anleihen aus diesem Segment jedoch nicht nur attraktive Renditen winken, sondern auch erhebliche Risiken lauern, mussten Investoren insbesondere in diesem Jahr schmerzhaft erleben.

Nachdem in den Jahren 2011 und 2012 nur wenige Gesellschaften in Schwierigkeiten gerieten, ist im laufenden Jahr die Anzahl Not leidender Emissionen auf einen Rekordstand geklettert. Vor allem Emittenten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien können ihre Zinsen nicht mehr aufbringen oder gingen in Konkurs.