Der Preis des Risikos Wie sich die Versicherungsbranche auf Solvency II vorbereitet

Mitglieder des EU-Parlaments in Straßburg: Hier wurde die Stabilitätsrichtlinie Solvency II am 22. April 2009 verabschiedet. Foto: Getty Images

Mitglieder des EU-Parlaments in Straßburg: Hier wurde die Stabilitätsrichtlinie Solvency II am 22. April 2009 verabschiedet. Foto: Getty Images

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Sie wird fast jeden Versicherer treffen – die europäische Stabilitätsrichtlinie Solvency II. Denn geht es nach dem Willen der Europa-Parlamentarier (EU), wird sie ab 2016 dafür sorgen, dass die Versicherungsbranche über genug Eigenkapital verfügt, um künftige Finanzkrisen aus eigener Kraft zu überstehen.

Entsprechend viele Unternehmen fallen unter Solvency II. Laut der deutschen Finanzaufsicht Bafin sollen das zirka 340 Versicherer – also etwa 90 Prozent aller Erst- und Rückversicherer – sein. Neben dem Aufbau eines großen Eigenkapitalpolsters hat die Richtlinie das Hauptziel, Versicherungsaufsicht-, Schutz und Wettbewerbsstandards in Europa zu vereinheitlichen.

Dafür hat die EU die Vorschriften für die Kapitalanlagen der Versicherer, die Anforderungen an das Management der Unternehmen und die Berichtspflichten gegenüber der Versicherungsaufsicht und der Öffentlichkeit verschärft. In der Folge löst Solvency II die bisher geltenden nationalen Regeln für Versicherer ab und tritt stattdessen einheitlich für alle EU-Staaten in Kraft.



Was ändert sich konkret?


Bislang musste die Branche für risikobehaftete Kapitalanlagen gewisse Obergrenzen einhalten. Das reicht jetzt nicht mehr: Die Unternehmen müssen für die Berechnung des erforderlichen Eigenkapitals nun „alle potenziell möglichen Risiken berücksichtigen“, schreibt das Bundesfinanzministerium in seinem Monatsbericht vom Mai 2015.

Heißt: Je riskanter ein Versicherer das Geld seiner Kunden anlegt, desto mehr Eigenkapital muss er vorhalten. So gilt für Aktien aus dem EU- und OECD-Raum künftig eine Eigenkapitalunterlegung von 39 Prozent. Greift der Versicherer zu riskanteren Aktien etwa aus den Schwellenländern, sind es sogar 49 Prozent. Immobilien müssen die Unternehmen mit 25 Prozent Eigenkapital absichern. Geringer sind die Anforderungen hingegen für Anleihen, wobei hier die Bonität eine Rolle spielt. Besonders günstig ist der Gang in Staatsanleihen, da diese als risikoarm gelten.