„Der Versicherungsvertreter“ Was hat sich in der Branche seit dem Mehmet-Göker-Film verändert?

Ausschnitt des Plakats zum ersten Göker-Film „Der Versicherungsvertreter“

Ausschnitt des Plakats zum ersten Göker-Film „Der Versicherungsvertreter“

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„Ich bin ein ruhiger, in sich gekehrter Mensch geworden.“ Mit diesem Zitat öffnete der ersten Film „Der Versicherungsvetreter“ über die Meg AG und ihren Gründer Mehmet E. Göker. Heute Abend um 22:30 Uhr läuft im WDR der zweite Teil des Films. Im Fokus stehen seine neuen Geschäfte in der Türkei, sein Mitmischen im deutschen Versicherungsmarkt und die Strafverfolgung durch die Behörden.

Jeder Vermittler wird sich sicher sein und ganze Salven an Vorurteilen in Richtung Göker abschießen. Dabei hat sich inzwischen auch in der Branche das Wissen über das Mitwirken der Versicherer verbreitet. Die Folgen aus politischer Sicht sind eindeutig. Man muss hier nur die Erhöhung der Stornohaftung auf fünf Jahre anstelle von zwölf Monaten nennen.

Trotzdem könnte diese Perspektive zu monokausal sein, um „Der Versicherungsvertreter 2“ einzuordnen und Göker zu verstehen. Wen die Branche als abgezockten Ganoven darstellt, muss man mit mehr Distanz betrachten: Göker ist ein gewiefter Verkäufer, der das System von Verkauf und Masse verstanden hat. Man mag über die Methoden streiten. Tatsächlich führt Göker auch aktuell wieder eins vor: Sein System scheint zu funktionieren.

Junge Männer lassen sich blenden

Gleichzeitig gibt es eine ganze Reihe von jungen Männern, die geprägt durch Medien und ihre Helden nach Geld giert. Auch diese Perspektiven muss man zulassen und einnehmen, um das Phänomen Göker zu verstehen. Dabei zeigt ihnen Göker eine Lebenseinstellung, die gemessen an Gleichaltrigen und deren Interessen eine vollkommen andere ist: Das Beste, so könnte man fast wertfrei formulieren, ist Göker und seinen Gefolgsleuten gerade gut genug. Das gilt für Autos, Essen und das Leben als solches. Die Abhängigkeit und Hörigkeit dieser jungen Männer, die Göker in „Der Versicherungsvertreter 2“ als 23-Mann-Klitsche bezeichnet, wird in der Aussage „Ich bin für Mehmet hier. Ich liebe diesen Mann“ deutlich. Erste Ausschnitte aus dem Film, die unter anderem dieses Zitat enthalten, hat der Hessische Rundfunk vorab ausgestrahlt.



Dabei bietet Göker eine ganze Reihe von Möglichkeiten an. Bereits 2013 warb er damit, dass er für jeden Mann die passende Frau bei der Meg finde. Auch dabei wird deutlich, was hinter dem Credo von Göker steckt: Meg ist mehr als ein Unternehmen. Es wird als Lebenseinstellung definiert und gelebt.

Kombination aus Erfolg, Geld und einem tollen Leben

Genau diese Kombination aus Erfolg, Geld und einem nach eigenen Maßstäben definiertes gutes Leben macht Meg nach wie vor für viele Menschen interessant. Das dokumentiert Klaus Stern nicht nur in Einzelinterviews mit Göker. Die beobachtende Haltung, die er dabei einnimmt, gibt dem Gründer der Meg gleichzeitig die Möglichkeit sich darzustellen. Aus dieser Kombination erwächst eine gewisse Brisanz. Es stellt sich die Frage, ob man verurteilte Personen, die mit Haftbefehl gesucht sind, so darstellen darf. Dabei handelt es sich um eine moralische Ebene, die von den Fakten wegführt: Ob man das darf und mit sich moralisch vereinbaren kann, muss schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden.