Deshalb werden Banker krank Burnout wegen Schlechtberatung

Fußgänger am Chiemsee. Die Schön-Klinik Riseneck in Prien am Chiemsee bietet Therapien nach Berufsgruppen an. Viele Patienten kommen aus der Bankenbranchech  | © Getty Images

Fußgänger am Chiemsee. Die Schön-Klinik Riseneck in Prien am Chiemsee bietet Therapien nach Berufsgruppen an. Viele Patienten kommen aus der Bankenbranchech Foto: Getty Images

Viele Bankberater sehen sich in einem Hamsterrad gefangen, ist aus der Branche häufig zu hören. Andreas Hillert erlebt diese Schattenseite täglich mit. Der Chefarzt an der Schön-Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee, die auch berufsbezogene Therapiegruppen anbietet, hat seine Erfahrungen in einem Gastbeitrag für das Portal Efinancialcareers.com beschrieben.

Bankmitarbeiter müssten Druck von vielen Seiten gleichzeitig aushalten: In Zeiten des digitalen Wandels, der auch den Bankensektor erfasst hat und viele Jobs überflüssig macht, sitze ihnen die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes im Nacken. Dazu kämen enge Vertriebsvorgaben. Eine Ebene reiche ihr strenges Soll an die daruntergelegene weiter, so dass der Druck von oben sich nach unten verstärke, beschreibt Hillert die Ausgangslage.

Krank durch schlechtes Gewissen

Großes Problem für viele Berater sei auch das schlechte Gewissen: Viele Berater beklagten sich, dass sie Produkte verkaufen müssten, die nicht in erster Linie nicht dem Kunden, sondern der Bank Vorteile erbrächten. Hillert gibt ein Beispiel: Ein leitender Mitarbeiter aus der Hypotheken-Abteilung einer Bank sei vom Institutsvorstand angewiesen worden, möglichst viele Baukredite ohne allzu große Nachforschungen bei den Kunden zu genehmigen. Der Mitarbeiter sei in einen Gewissenskonflikt geraten: Er hielte es für seine Pflicht, die finanzielle Situation seiner Kunden umfassend zu prüfen, um mögliche Probleme bei Bauprojekten schon im Vorfeld aufzeigen zu können, habe er im Therapiegespräch erzählt.

Nicht alle Bankmitarbeiter kämen mit moralischen Zwickmühlen gut zurecht, so Hillert. Wer von Zweifeln am eigenen Tun geplagt werde, stehe unter Dauerstress. Als körperliche Symptome könnten Muskelverspannungen, Bluthochdruck, aber auch psychische Probleme auftreten. Diese starteten häufig mit Ein- und Durchschlafstörungen und endeten nicht selten mit Depressionen.

"Burnout" - eine schwammige Diagnose

Mit dem Begriff „Burnout“ kann Hillert indes wenig anfangen. Jeder fünfte Mensch, der sich beruflich bedingt ausgebrannt fühlt, leide eigentlich an einer Depression, präzisiert der Therapeut. Problematisch sei, dass viele Menschen bestehende Angebote zur Stressreduzierung falsch nutzten: Anstelle mehr Ruhe anzustreben, versuchten sie oftmals, die eigene Leistung noch weiter zu erhöhen.

Als wichtigsten Schritt enpfiehlt Hillert, bei der Unternehmenskultur anzusetzen: Belastungen und Konflikte sollten in den Unternehmen offen kommuniziert werden, so dass Mitarbeiter die Möglichkeiten der betrieblichen Gesundheitsvosorge auch zweckbringend nutzen könnten. Allerdings sei die Branche, schränkt der Experte gleich wieder ein, nach den Berichten seiner Patienten von einer solchen Kultur noch weit entfernt.