Deutsche Aktien „An den Märkten wächst das Risiko“

Kurstafel mit Verlauf des deutschen Leitindex Dax: Uwe Zimmer warnt Anleger vor zu viel Sorglosigkeit. | © Getty Images

Kurstafel mit Verlauf des deutschen Leitindex Dax: Uwe Zimmer warnt Anleger vor zu viel Sorglosigkeit. Foto: Getty Images

Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Z-Invest

Als die Welt fast brannte, als der IS im Irak und Syrien tobte, als der Ölpreis erst stieg und dann verfiel, als Venezuela de facto zusammenbrach, als Trump an die Macht kam, Nordkorea mit Bomben drohte, die Rechten in Europa Gewinne verzeichneten und die Briten das Projekt Europa zu torpedieren drohten, da gab es eine kleine Verschnaufpause in der jahrelangen Hausse an den Märkten.

Und jetzt? Die Welt ist nicht sicherer geworden, aber unser Bild der Lage hat sich gewandelt. In Nordkorea droht zwar immer noch ein Konflikt, er scheint aber nicht mehr so heiß wie zuvor. Der IS ist auf dem Rückzug, über Venezuela wird kaum noch berichtet, der Brexit droht eher für die Briten nach hinten loszugehen, Angela Merkel bleibt stabil in Deutschland und selbst die SPD kann noch Wahlen gewinnen, siehe Niedersachsen: Die Welt ist doch noch irgendwie in Ordnung.

Sorglosigkeit an den Märkten

An den Märkten führt all das zu einer gewissen Sorglosigkeit. Eigentlich gibt es wenig, über das man sich ernsthafte Gedanken machen muss, so die offenkundig herrschende Ansicht. Wenn aber viele und sehr ernsthafte Krisen die Märkte nicht zur Vorsicht bewegen, kann das auch nach hinten losgehen. Wenn Krisen nicht mehr ernst genommen werden und jeder davon ausgeht, dass schon eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden wird, wächst das Risiko.

Das Risiko nämlich, dass es doch nicht bei allen Krisen glimpflich ausgeht. Oder dass der wirtschaftliche Schaden doch größer sein könnte, als einmal angenommen. Katalonien ist so ein Beispiel. Natürlich ist das nur eine kleine Region Spaniens. Und natürlich wird der konjunkturelle Effekt auf Gesamteuropa verschwindend gering sein, wenn Katalonien nicht mehr Mitglied der EU wäre.

Die Banken stehen unter Druck

Aber stimmt das auch in Bezug auf einzelne Branchen oder Unternehmen? Wie sieht es mit den Banken aus, welche zusätzlichen Risiken kommen da in die Bücher, welche Forderungen müssten abgesichert werden? Das kostet Geld, belastet die Eigenkapitalquote und schon stehen die Banken unter Druck. Eine Branche übrigens, die den Aufschwung an den Märkten durchaus befeuert hat.

Oder Nordkorea: Derzeit gehen alle von einem Sieg der Vernunft aus. Aber was, wenn Trump sich durchsetzt? Diese Risiken sind derzeit ausgepreist. Werden sie wieder eingepreist dreht sich der Trend an den Märkten. Und dann kann ein kleiner Funke reichen, um wirklich eine Abwärtsspirale in Gang zu bringen. Dieses Risiko ist derzeit zwar gering – mitdenken sollten vorsichtige Anleger es aber allemal.