Deutsche Mittelstandstitel „Es gibt in Deutschland sehr wohl interessante Tech-Aktien“

Ingo Koczwara, Fondsmanager bei Merck Finck: „Es ist eine Fehlannahme, dass es in Deutschland keine Tech-Aktien gibt. Wir haben zwar nicht die ganz Großen, aber dafür viele Nischenplayer in der zweiten und dritten Reihe“ | © Merck Finck

Ingo Koczwara, Fondsmanager bei Merck Finck: „Es ist eine Fehlannahme, dass es in Deutschland keine Tech-Aktien gibt. Wir haben zwar nicht die ganz Großen, aber dafür viele Nischenplayer in der zweiten und dritten Reihe“ Foto: Merck Finck

Für deutsche Mittelstandaktien war 2018 bislang mehr oder weniger ein Nullsummenspiel. Zum Ende der ersten Septemberwoche war der M-Dax nahezu auf seinem Stand vom Jahresbeginn. Dennoch ist 2018 für Ingo Koczwara ein sehr interessantes Börsenjahr. „Die Performanceunterschiede bei deutschen Small und Mid Caps waren enorm. Schwer hatten es in diesem Jahr vor allem die klassischen Industriewerte, die einen wichtigen Anteil am deutschen Mittelstand haben“, sagt der Fondsmanager.

Auf der Gewinnerseite standen vor allem Technologiewerte. „Es ist eine Fehlannahme, dass es in Deutschland keine Tech-Aktien gibt. Wir haben zwar nicht die ganz Großen, aber dafür viele Nischenplayer in der zweiten und dritten Reihe“, sagt Koczwara. Dazu zählt zum Beispiel die Berliner Hypoport, die eine Plattform für die Digitalisierung von Hypothekenkrediten anbietet. Oder Nemetschek, ein Entwickler für Architekten- und Planungssoftware, der seinen Kurs in diesem Jahr fast verdoppeln konnte. Als Hauptgrund für die starke Kursentwicklung im Technologiebereich sieht Koczwara die fortschreitende Digitalisierung: „Mittlerweile hat jeder Unternehmenslenker und Investor verstanden, dass die Digitalisierung einen nachhaltigen Umbruch in der Wirtschaftsstruktur darstellt und auch nicht wieder verschwinden wird. Die Investoren springen jetzt noch einmal stärker auf das Thema als vorher.“

Herausforderung Nummer 1: Digitalisierung

Digitalisierung ist aber nicht nur ein spezielles Anlagethema, sondern betrifft alle Branchen. Hier wünscht sich Koczwara bei so manchem Unternehmen etwas mehr Tatendrang. „Das nötige Kapital ist in der Regel vorhanden, deutsche Mittelständler sind im Durchschnitt relativ gering verschuldet, manche gar nicht. Es fehlt aber oft der Mut, für die Digitalisierung etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Die Unternehmer schauen lieber erst einmal, wie sich die Lage entwickelt“, erläutert Koczwara. Die deutsche „Abwarte-Mentalität“ birgt allerdings durchaus Gefahren, wenn die Digitalisierung exponentiell an Fahrt gewinnt. Auch die anstehende Implementierung des neuen Mobilfunkstandards 5G wird die Unternehmen vor Herausforderungen stellen und etwas Mut erfordern.

Strafzölle – keine Bedenken für den deutschen Mittelstand

Kaum Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand hingegen haben nach Ansicht des Fondsmanagers die von den USA ausgelösten Handelskonflikte. Politische Themen beeinflussen Unternehmen und ihre Entwicklung letztlich kaum. Tatsächlich erhobene Strafzölle könnten Firmen grundsätzlich zwar schon belasten. Allerdings gibt es gerade in Deutschland viele Unternehmen, die Spezialanlagen oder spezielle Technologien produzieren, die in die Produktionslinien in der ganzen Welt, auch in den USA, integriert werden und helfen die Produktivität zu steigern. „Strafzölle auf solche Produkte wären ein Schuss ins eigene Knie“, sagt Koczwara und sieht erhöhte Einfuhrgebühren als kein Thema, das den deutschen Mittelstand direkt betrifft. Eine Ausnahme wären Autozulieferer. „Die Automobilindustrie ist eine globale Branche. Die Einzelteile für die Fahrzeuge kommen aus der ganzen Welt. Die Amerikaner scheinen aber erkannt zu haben, dass Strafzölle in diesem Bereich auch verheerende Folgen für US-Unternehmen haben können“, so der Merck-Finck-Experte.

Die deutschen „Spatenhersteller“ im Visier

Unter den deutschen Mittelständlern mag der Fondsmanager besonders gerne Unternehmen, die anderen das Wachstum erst ermöglichen. Oder bildlich ausgedrückt: „Wir sind im Goldrausch, und alle kaufen die Goldminen, vernachlässigen aber die Spatenhersteller“, so Koczwara. Zu solchen Unternehmen zählt er beispielsweise Aixtron. Das nordrhein-westfälische Unternehmen baut unter anderem Maschinen, die VCSEL-Sensoren produzieren. Solche Lichtsensoren werden im Rahmen der Gesichtserkennung eingesetzt und wurden bereits im iPhone X genutzt. Auch das Geschäftsmodell von Jungheinrich aus Hamburg überzeugt Koczwara. Die einst für ihre Gabelstapler bekannte Firma bietet heute auch Lösungen für automatisierte Hochregallager an und liefert damit eine wichtige Grundlage für das Wachstum des Online-Handels. Für digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen sorgt Evotech und bietet eine Automatisierung von vorklinischen Tests für die Pharmaindustrie.

Technologiewerte lässt Koczwara in seinem Portfolio ebenfalls nicht außen vor. „Diese sind zwar schon gut gelaufen. Es kann sich aber keiner leisten, bei Technologie nicht dabei zu sein. Ob die Werte heute tatsächlich schon zu teuer sind, werden die nächsten fünf Jahre zeigen.“ Als günstig bewertet und attraktiv erachtet er hingegen viele klassische Industrietitel, deren Börsenkurse in diesem Jahr eher gelitten haben, wie etwa Stabilus oder Wacker Neuson.

Koczwara ist weiterhin sehr zuversichtlich für deutsche Small und Mid Caps. „Der Aufwärtstrend kann durchaus über den normalen wirtschaftlichen Zyklus hinaus anhalten. Denn viele strukturelle Wachstumstrends, an denen der deutsche Mittelstand aktiv mitwirkt, wie Digitalisierung, Online-Handel und Logistik, E-Mobilität oder Cloud Computing stehen gerade erst am Anfang.“

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