Deutscher Immobilienmarkt Darum ist der Immobilien-Boom noch nicht vorbei

Immobilie als Kunst: Interaktive Installation „Berlin Facade“ von Leandro Erlich. (Foto: Ronny Hartmann/AFP/Getty Images)

Immobilie als Kunst: Interaktive Installation „Berlin Facade“ von Leandro Erlich. (Foto: Ronny Hartmann/AFP/Getty Images)

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Der Immobilien-Investmentmarkt in Deutschland steuert unter Volldampf auf das beste Jahr seit 2007 zu.“ So fasst das Immobilienunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL) die aktuelle Marktsituation zusammen. Daran wird auch die Abschwächung der Konjunkturaussichten nichts ändern, ist das Research-Team des Maklerhauses überzeugt, denn auch weiterhin wird Deutschland aufgrund seiner relativen wirtschaftlichen Stärke für Investoren attraktiv bleiben. Diese legten in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 25,5 Milliarden Euro in schwarz-rot-goldenen Beton an, rund die Hälfte des Geldes stammt von ausländischen Investoren, insbesondere aus den USA, Großbritannien und Frankreich.

In deren Fokus stehen mit einem Anteil von 46 Prozent Büroimmobilien, gefolgt von Einzelhandelsobjekten mit 25 Prozent. Auf Platz drei folgen Logistikimmobilien mit 11 Prozent, was laut JLL jedoch nicht das Interesse an dieser Anlageklasse widerspiegelt: „Diese Objekte sind sehr gefragt, doch es gibt nicht genug Angebote auf dem Markt.“

Value-Add im Fokus

Für Core-Investments bleibt der Run der letzten Jahre nicht ohne Folgen: Es wird immer schwerer, entsprechende Objekte zu finden, weshalb zunehmend auch Core-Plus- und Value-Add-Immobilien in den Fokus der Investoren rücken. So werden zunehmend auch Objekte mit Leerstand und höherem Risiko verkauft. Zudem nähern sich auch die Renditen von Spitzenund B-Lagen einander an, da die Preise in Letzteren aufgrund einer zunehmenden Nachfrage steigen.

Gut drei Viertel des investierten Kapitals wanderte in Objekte in den sieben A-Städten, die Rendite von Büroimmobilien beziffert JLL mit durchschnittlich 4,55 Prozent – 18 Basispunkte weniger als im Vorjahr. Der Renditeabstand zwischen Spitzenobjekten in Nebenlagen der A-Städte verringerte sich im ersten Halbjahr 2014 von 90 auf 78 Basispunkte und liegt nun bei 5,33 Prozent.

JLL zufolge wird sich dieser Trend auch im kommenden Jahr fortsetzen und die Nachfrage sowohl bei den Standorten als auch bei den Objekten zunehmend in die Breite gehen. „Die zu erwartenden schwächeren Mietsteigerungen dämpfen zwar die Preise, doch dieser Effekt wird durch die weiterhin für Deutschland zu niedrigen Zinsen überkompensiert, die die Nachfrage befeuern“, so das Fazit der JLL-Researcher. Auch weil der deutsche Markt für Gewerbeimmobilien einer der liquidesten in Europa ist und darüber hinaus auf globaler Ebene zu den attraktivsten gehört, halten sie ein Transaktionsvolumen von 35 bis 40 Milliarden Euro für realistisch.

Auch Wohnimmobilien bleiben weiterhin begehrt, auf diesem Markt tummeln sich neben den Institutionellen, die in den ersten drei Quartalen mit insgesamt 9,7 Milliarden Euro auf Einkaufstour gingen, auch Privatinvestoren und Selbstnutzer. Auch bei den Wohninvestments geht die Nachfrage zunehmend in die Breite, wobei die A-Städte sowie wirtschaftlich starke Universitäts- und Mittelstädte nach wie vor im Fokus stehen.

„Aufgrund des geringen Angebots und sinkender Renditen wird jedoch auch wieder verstärkt auf Standorte in Nordrhein-Westfalen sowie in Nord- und Ostdeutschland ausgewichen“, berichtet das Maklerunternehmen CB Richard Ellis (CBRE). Zunehmend würden außerdem opportunistische Produkte und Projektentwicklungen nachgefragt. Für Letztere interessieren sich CBRE zufolge vor allem Institutionelle, insbesondere Spezial- und Pensionsfonds.