Deutsches Institut für Altersvorsorge Taugen Wohnimmobilien jetzt noch zur Altersvorsorge

Klaus Morgenstern, Sprecher der Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH

Die Furcht vor Preisblasen auf den deutschen Immobilienmärkten wächst. So taucht auch die Frage auf, ob der Kauf von Wohnimmobilien zur Altersvorsorge noch ratsam ist. Die Catella Property Valuation GmbH hat nach Antworten gesucht und 80 Wohnungsmärkte der Flächenkategorien „sehr gute Wohnlage“ und „mittlere Wohnlage“ analysiert.

Thomas Beyerle, Managing Director bei Catella Property Valuation, stellt die Signale auf Entwarnung: „Wir beobachten keinerlei exotische Finanzierungskonstrukte, kein Story-Telling, das sich nicht erklären lässt. Die Nachfrage ist schlicht höher als das Angebot. In den Städten erleben wir vor allem Zu- und weniger Wegzüge. Das führt zu steigenden Preisen.“

Es gibt wenig Anlagealternativen

Auf die Immobilienmärkte fließe seit einiger Zeit ein großer Kapitalstrom, weil es wenig Anlagealternativen gibt. Aber er ende an den Stadtgrenzen. In der tiefen Provinz gebe es dieses Phänomen nicht. „Die Deutschen sind bei der Wahrnehmung der Preise ein wenig verwöhnt durch 20 Jahre, in denen mehr oder weniger Stagnation an den Immobilienmärkten herrschte. Ausländer halten Immobilien in Deutschland immer noch für billig.“ So lange sich die Nachfrage vor allem durch Eigennutzer speise, sei wenig zu befürchten, zeigt sich Thomas Beyerle gelassen.

Also eignen sich Wohnimmobilien nach wie vor für die Altersvorsorge? Grundsätzlich ja, so seine Antwort. „Aber die Immobilie sollte sich in einer Stadtstruktur befinden. Wobei damit nicht nur Berlin gemeint ist. Es gibt auch jede Menge tolle B-Städte wie zum Beispiel Baden-Baden oder Karlsruhe.“

Beyerle präzisiert die Anforderungen an die Lage noch weiter: eher Stadtmitte, in S- oder U-Bahn-Nähe, weniger in Wohnvierteln vor den Toren der Stadt. „Wer in der Stadtmitte investiert, kann auch in B- oder C-Städten sein mittel- bis langfristiges Anlagerisiko recht gut begrenzen. Mit einer typischen Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, 60 Quadratmeter in der Innenstadt, zusammen mit sechs bis 20 anderen Besitzern in einer Wohnanlage, da macht man für die nächsten 20 Jahre nicht viel falsch.“

Deutschland hat keinen Leitmarkt

Lage war schon immer ein wesentliches Kriterium beim Immobilienkauf. Aber gewinnt der Standort durch die Wanderungsbewegungen in Richtung Stadt, die wir derzeit beobachten, zusätzlich an Bedeutung? Statt eines schlichten Ja holt Thomas Beyerle etwas weiter aus.

Deutschland habe im Vergleich zum Ausland eine polyzentrale Struktur. „Einen Leitmarkt, der die anderen hinter sich herzieht, gibt es bei uns nicht. Die Städte belauern sich eher gegenseitig. München blickt auf Frankfurt, Frankfurt auf Hamburg und alle blicken auf Berlin.“

Allein dieser Wettbewerb führe schon zu einer gewissen Dämpfung der Preisentwicklung. Ausgesprochene Hochpreisinseln finde man nicht, auch wenn es in München zum Beispiel schon seit Jahren teurer ist als in anderen Städten.