Deutschland-Aktienfonds-Manager über Dax & Co. „Wir hatten schon vor dem Abgas-Skandal keine VW-Aktien im Portfolio“

Matthias Born

Matthias Born

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DAS INVESTMENT.com: Der Abgas-Skandal lässt die VW-Aktie einbrechen und zieht die anderen Dax-Autowerte und damit den gesamten Index nach unten. Drohen aus ihrer Sicht weitere signifikante Kursverluste bei Autoaktien und werden sie den Dax in den kommenden Monaten weiter bremsen?

Matthias Born: Wir rechnen nicht mit weiteren signifikanten Kursverlusten. Der Markt dürfte den ersten Schock nun eingepreist haben. Wir halten die Kursverluste bei anderen Herstellern wie Daimler oder BMW für eine typische Überreaktion des Marktes. Insbesondere einige Zulieferer sollten mittelfristig davon profitieren, dass die Autobauer mehr in Technologien zur Einhaltung der zunehmend strikteren Grenzwerte investieren werden.

Die schwedische Bank Nordea hat ihren Händlern den Kauf der VW-Aktie untersagt. Die EZB hat die VW-Aktie im Rahmen ihres Ankaufprogramms forderungsbesicherter Wertpapiere vorerst auf die schwarze Liste genommen. Kommt das VW-Papier für Sie bis auf Weiteres für einen Kauf infrage?

Born: Wir hatten schon vor dem Skandal um die manipulierten Abgaswerte keine VW-Aktien im Portfolio, allerdings aus ganz anderen Gründen. Das hat natürlich auch der relativen Fondsperformance geholfen, weil wir von den massiven Kursverlusten nach Bekanntwerden des Skandals verschont geblieben sind.

Immer mehr Problem-Branchen, kaum echte Wachstumsfirmen: Welche Branchen können den Dax in den kommenden Monaten und Jahren nach oben treiben?

Born: Die deutsche Wirtschaft ist sehr gut aufgestellt, trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen. Am deutschen Aktienmarkt sind viele Firmen notiert, auch aus der zweiten Reihe, die in ihren Nischen globale Führungspositionen besetzen und strukturelles Wachstum aufweisen können. Der Trend bei den Auftragseingängen ist immer noch positiv, die gängigen Stimmungsindikatoren haben im August zugelegt. In den kommenden Quartalen dürfte insbesondere der Inlandskonsum, der durch eine geringe Arbeitslosenquote und niedrige Zinsen gestärkt ist, die deutsche Wirtschaft antreiben.

„Hände weg vom Dax“ - mit dieser Aussage fasste ein Stratege der Société Générale vor kurzem die Reaktion seines Hauses auf die Probleme des deutschen Leitindex im US-Fernsehen zusammen. Können Sie internationale Investoren verstehen, die nach den jüngsten Ereignissen die Nase voll haben und sich von Dax abwenden? Und Halten Sie das für eine kluge Entscheidung?

Born: Die Angst der Anleger ist verständlich. Derzeit kommt vieles zusammen, was für Unruhe sorgt: Da ist die Wachstumsschwäche in China, von der noch keiner weiß, welche Auswirkungen sie auf die globale Konjunktur haben wird. Dann die Ungewissheit hinsichtlich der Leitzinswende in den USA: Wann sie kommt, weiß niemand. In einem solchen Umfeld muss man immer mit etwas Volatilität und Gewinnmitnahmen rechnen. 

Allerdings sehen wir nach den jüngsten Korrekturen auch wieder eine gute Möglichkeit zum Einstieg in den Markt. Viele Unternehmen sind nach wie vor sehr gut aufgestellt und wachsen strukturell in ihren Nischen.