Deutschland: Kein Lehman 2.0

Eine BMW-Fabrikhalle in Leipzig. <br> Deutschen Unternehmen drohen zwar <br> Auftrags-Stornierungen, aber kein kompletter <br> Zusammenbruch. Quelle: Getty Images

Eine BMW-Fabrikhalle in Leipzig.
Deutschen Unternehmen drohen zwar
Auftrags-Stornierungen, aber kein kompletter
Zusammenbruch. Quelle: Getty Images

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Auch wenn das Ifo Geschäftsklima diese Woche etwas weniger stark gefallen ist als befürchtet, haben die Anzeichen für eine spürbare konjunkturelle Verlangsamung weiter zugenommen. Eine zuverlässige Positionsbestimmung der deutschen Wirtschaft lässt sich auf Basis der sog. Ifo-Konjunkturuhr ableiten. Demzufolge befindet sich das verarbeitende Gewerbe mittlerweile klar im Abschwung. Während sich die Lageeinschätzung der Unternehmen noch immer auf einem vergleichsweise hohen Niveau halten konnte, sind die Geschäftserwartungen abermals kräftig gefallen. Mittlerweile überwiegen hier sogar die Pessimisten: Der Saldo aus Unternehmen, die eine Verbesserung bzw. Verschlechterung in den nächsten sechs Monaten erwarten (jeweils in Prozent), ist deutlich negativ geworden.

Auftragsbestände als Maß für Risikoaversion der Unternehmen

Wir haben vor einigen Wochen auf die zentrale Bedeutung der hohen Auftragsbestände der deutschen Unternehmen hingewiesen. Sie werden jetzt zusehends abgearbeitet und federn dadurch die konjunkturelle Verlangsamung zumindest vorübergehend ab. Unserer Einschätzung zufolge ist die sorgfältige Analyse der Auftragsbestände allerdings auch aus einem weiteren Grund sehr wichtig. Sie erlaubt Einblicke, inwieweit die Nervosität der Unternehmen in Deutschland und weltweit steigt.

Dadurch lassen sich Rückschlüsse ziehen, inwieweit die gestiegene Risikoaversion an den internationalen Finanzmärkten in die Realwirtschaft überschwappt. Die Entwicklung nach dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 soll diese Idee verdeutlichen helfen. Unmittelbar vor Lehman sind die Auftragsbestände der deutschen Unternehmen zwar bereits zurückgegangen, befanden sich aber nach wie vor auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau (vgl. Grafik).

Nach dem Kollaps schoss die Risiko-aversion sowohl an den Finanz-märkten als auch im Unternehmenssektor sprunghaft in die Höhe. Die Unternehmen weltweit begannen daraufhin, ihre bereits gegebenen Aufträge in Deutschland zu stornieren. Damit erfüllten sich die pessimistischen Erwartungen zu einem guten Teil von selbst: Weil die Unternehmen im In- und Ausland eine konjunkturelle Verlangsamung befürchteten und ihre bereits gegebenen Bestellungen zurückzogen, fiel die globale Konjunktur in eine tiefe Rezession. Die Auftragsbestände in Deutschland rutschten dadurch innerhalb kurzer Zeit in den Keller. Auf Basis der vom Ifo-Institut durchgeführten Umfrage sanken sie vorübergehend auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1994.