Deutschlands Vorreiterrolle

Christian Rauner von Universal Investments.

Christian Rauner von Universal Investments.

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„Es ist wie im Steuerrecht. Die Regelungsdichte steigt immer weiter, und es wird immer komplexer“, sagt Alexander Kestler. Der Leiter der Rechtsabteilung des Bundesverbands der Investmentindustrie BVI hat 29 verschiedene Legislativmaßnahmen gezählt, mit denen sich der BVI allein 2011 beschäftigt hat. Der Investmentfonds-Bereich gilt indes sowohl auf Produkt- als auch auf Vertriebsebene als bis ins Detail geregelt.

Aufgrund der Ucits-IV-Richtlinie sind etwa seit 1. Juli 2012 die wesentlichen Anlegerinformationen Pflicht, die bei Investmentfonds KIDs (Key Investor Information Documents) heißen. Die Beipackzettel werden von den Fondsgesellschaften erstellt, enthalten auf zwei Seiten Informationen zu Chancen, Risiken und Kosten des Fonds und erklären, wie das Produkt funktioniert.

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Deutschland hat bereits vor Jahresfrist mit der Einführung begonnen. Derzeit steht die EU-Finanzmarktrichtlinie für Manager alternativer Investmentfonds (AIFM) im Blickpunkt, und 2013 folgt die Revision der Mifid, für die bereits ein Entwurf vorliegt, der unter anderem zwischen abhängiger und unabhängiger Anlageberatung unterscheidet und die Annahme von Kick-Back-Zahlungen für Vermögensverwalter untersagt.

Anders als noch vor zehn Jahren, als zwischen Verabschiedung einer Richtlinie in Brüssel und der Umsetzung in deutsches Recht mitunter fünf Jahre verstrichen, hat die Regulierung an Tempo und Intensität gewonnen. Deutschland ist dabei eine treibende Kraft innerhalb der EU. Und mit der Europäischen Wertpapierbehörde ESMA ist eine neue Aufsichtsbehörde entstanden, die die Aufgabe hat, die rasche Umsetzung der Brüsseler Rechtsakte in den nationalen Aufsichtsbehörden sicherzustellen. Das geschieht zunehmend über Verordnungen, die sofort gültig sind.

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„Die Gefahr einer Überregulierung besteht, weil viele neue Regulierungsvorschriften aus verschiedenen Richtungen kommen und Untersuchungen fehlen, wie diese wechselseitig und insgesamt auf die Branche wirken“, warnt Ulrich Hartmann, Leiter des Bereichs Financial Services Regulatory bei PriceWaterhouse- Coopers. Die Neufassung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II etwa überschneidet sich bei den periodischen Informa - tionspflichten in der Anlageberatung mit deutschen Regulierungsprojekten. Experten beklagen zudem, dass das Ziel, das in der Finanzmarktkrise angeschlagene Vertrauen des Anlegers zurückzugewinnen, hinter einem Berg neuer Paragrafen verschwinde.

Die Transparenzanforderungen etwa führen bei den Marktteilnehmern zu hohem administrativen Aufwand und entsprechenden Kosten. Der europäische Fondsverband Efama befürchtet so einen Konzentrationsprozess bei den Anbietern von Finanzprodukten und einer damit einhergehenden Kostenumlage auf die Anleger. „Wir sehen Einzelaktionen wie etwa die Transaktions kosten kritisch“, so Christian Rauner, Bereichsleitung Private Label Funds, bei Universal- Investment. Und die Finanztransaktionssteuer, die auf einer insbesondere auf deutschen Druck hin erstellten EU-Richtlinie fußt, belastet das Sparen zur Altersvorsorge über Gebühr, lautet auch die Kritik des BVI.