Devisenmarkt 3 Erklärungen für den starken Eurokurs

Dollar-Scheine und Euro-Münzen | © pixabay.com

Dollar-Scheine und Euro-Münzen Foto: pixabay.com

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Philippe Waechter, Chief Economist bei Natixis Asset Management

Mit einem aktuellen Kurs von 1,18 US-Dollar ist der Euro zu einer teuren Währung geworden. Das europäische Zahlungsmittel hat jedoch auch gegenüber sämtlichen anderen Währungen zugelegt. Sein effektiver Wechselkurs erreichte ein Niveau wie zuletzt Ende 2014. Daher können wir nicht mehr sicher sein, dass der Euro an Wert verlieren wird. Das erschwert die Aufgabe der EZB, da ein starker Euro eine Inflationsrückführung begünstigt, wodurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass die Inflation im Euroraum sich dem von der Zentralbank gesetzten Ziel von 2 Prozent annähert.

Zu dieser Situation können wir zunächst drei Beobachtungen machen:

  1. Der schnelle Anstieg des Eurokurses legt eine restriktive Geldpolitik nahe. Die Geldpolitik ist bereits zunehmend restriktiver geworden und der Standpunkt der EZB muss ihr Ziel einer Akkommodierung langfristig unterstützen, um mögliche Erwartungen hinsichtlich eines Kurswechsels nicht zu fördern.
  2. Ein starker Euro passt zum äußerst hohen Außenhandelsüberschuss der Eurozone. Der Kursverlust des Euro war zu diesem Überschuss nicht kompatibel.
  3. Der schwache Dollar. Sein effektiver Wechselkurs ist der niedrigste seit Ende 2016: Amerika geht es aktuell nicht gut.

Ausgehend von diesen drei Beobachtungen können wir drei Erklärungen ableiten, welche uns helfen, diese Kursschwankung zu verstehen.

Die erste Erklärung ist eine politische

Ende 2016 erwarteten viele Investoren einen eher schwachen Euro. Der Hauptgrund hierfür lag möglicherweise in den sehr unterschiedlichen politischen Aussichten der USA und der Eurozone. Der Wahl Donald Trumps und seinem ehrgeizigen Haushaltskurs zur Stimulierung der Konjunktur standen die Risiken des Populismus gegenüber, denen der alte Kontinent ausgesetzt war. Die damals anstehenden Wahlen in Österreich, den Niederlanden und besonders in Frankreich ließen wenig Zweifel daran, dass in einem dieser Länder eine der populistischen Anti-Euro-Parteien an die Macht kommen würde. Angesichts des Risikos eines Auseinanderbrechens der Eurozone entschieden sich die Investoren dafür, auf die potentiellen Verbesserungen der Konjunkturaussichten der USA durch eine schnell restriktivere Geldpolitik zu setzen. Alles sprach dafür, dass der Dollar stabil bleiben und der Euro sogar unter Parität fallen würde. Dieses Szenario trat jedoch nie ein.

Das Weiße Haus verfügt aktuell über praktisch keine Wirtschaftspolitik und der Konjunkturzyklus schwächelt trotz der äußerst niedrigen Arbeitslosenquote. Diese Situation ist für Historiker äußerst interessant: sechs Monate, nachdem ein neuer Präsident in das Weiße Haus eingezogen ist, gibt es immer noch keinen Hinweis auf einen wirtschaftspolitischen Kurs. Das ist eine Katastrophe und wahrscheinlich so in der Geschichte noch nie vorgekommen. In der Eurozone dagegen sind nun alle populistischen Parteien aus Machtpositionen verdrängt. Das Risiko einer zerbrechenden Eurozone ist mittlerweile sehr gering, da die Europäer sich für Europa entschieden haben. Das haben die jüngsten Wahlen gezeigt, insbesondere in Frankreich, aber auch in den zahlreich durchgeführten Umfragen. Das politische Gleichgewicht hat sich innerhalb von nur sechs Monaten enorm verändert. Es gibt keine politischen Gründe für einen schwachen Euro und gleichermaßen auch keine politischen Gründe für einen starken US-Dollar mehr.