Didier Saint-Georges von Carmignac Diese 4 Faktoren entscheiden, wie es in der Euro-Dollar-Beziehung weitergeht

Didier Saint-Georges ist Mitglied des Investmentkomitees der französischen Fondsgesellschaft Carmignac. | © Carmignac

Didier Saint-Georges ist Mitglied des Investmentkomitees der französischen Fondsgesellschaft Carmignac. Foto: Carmignac

Selbst die angesehensten Ökonomen der Welt haben bei ihren Versuchen, die Wechselkurse vorherzusagen, fast nur schlechte Erfahrungen gemacht. Es müssen zig Parameter in Betracht gezogen werden, die alle unbeständig, miteinander verknüpft und von unterschiedlicher Bedeutung sind. Insofern werden Vorhersagen im Währungsbereich oftmals zu einer fortwährenden Übung in Demut.

Trotz dieser Schwierigkeiten bei der Vorhersage kommt man nicht umhin, zu versuchen zu verstehen, was vor sich geht. Vor allem heute, da die Trends von 2017 sich zu Beginn dieses Jahres fortzusetzen scheinen.

Die kurzfristige Stärke des US-Dollar Ende 2016 nach der Wahl von Donald Trump entsprach einer ziemlich einfachen und wörtlichen Auslegung des Versprechens des republikanischen Präsidentschaftskandidaten: der Stärkung der Leistungsfähigkeit der US-Wirtschaft in allen Bereichen. Dies steigerte die Attraktivität der in der US-Währung getätigten Investitionen. 2017 kam es aber zu einer grundlegenden Trendumkehr, die näher betrachtet werden sollte. In diesem Jahr, wertete der Dollar gegenüber sämtlichen Währungen stark ab. Spiegelbildlich zu dieser Entwicklung wertete der Euro stark auf, und dies auf aufsehenerregende Weise gegenüber dem Dollar (+14 Prozent), aber auch gegenüber den wichtigsten Währungen der Welt (+10 Prozent). Die Untersuchung muss demnach auf beiden Seiten des Atlantiks erfolgen.

4 Hinweise

Erste Spur: der Bumerang-Effekt. Das Jahr 2016 war ein Fingerzeig auf alle Gefahren für die Eurozone. Waren der Brexit-Entscheid und die Wahl Donald Trumps ein Vorgeschmack auf eine Woge des Populismus bei den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, die für die Einheitswährung fatal wäre? Dem war nicht so, und der Abgesang auf den Euro erwies sich als stark übertrieben.

Zweite Spur: das Wirtschaftswachstum. Nicht nur ist das politische Risiko in der Eurozone verschwunden, sondern die Aufhellung der Konjunktur in Europa hat selbst die größten Optimisten überrascht. Vermutlich hatte ein wahrgenommenes politisches Risiko die Erholung der Investitionen und das Vertrauen der Verbraucher gehemmt. Gleichzeitig ließen die wiederholten Misserfolge der Trump-Regierung bei der Umsetzung ihres Wirtschaftsprogramms Zweifel aufkommen, ob das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher und Unternehmen sich in einem deutlichen Anstieg der Aktivität niederschlagen würde. Tatsächlich übertraf das Wachstum der Eurozone 2017 erstmals seit 2008 leicht das Wachstum in den USA.