Die 10 Mythen der Finanzkrise

Michael Hörl

Michael Hörl

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Wären die US-Zinsen nicht von 8 Prozent (1990) auf 1 Prozent (2003) abgesenkt worden, und hätte der Euro ab dem Jahr 2000 nicht denselben Effekt auf Spaniens oder Griechenlands Schulden gehabt, es hätte weder Finanz- noch Eurokrise gegeben.

Denn einen mit 8 Prozent verzinsten Kredit investiert man maximal in die eigenen Vier Wände, nicht aber in die Spekulation mit ebensolchen. Der Fall ist klar – und doch pflegt Europas Mainstream Mythen, die zu einfach scheinen, um auch wahr zu sein.

1. Politik-Einfluss auf Banken war zu gering

Er war zu hoch. US-Präsidenten wie Bill Clinton und Georg W. Bush befahlen der staatlichen US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den ungezügelten Druck staatlichen Geldes. Das „Verschenken“ an private Banken für ein Prozent Zinsen sollte die Wirtschaft ankurbeln.

Zusätzlich befahl die Politik dem staatlichen US-Wohnbauministerium (HUD), für Millionen Kredite armer Amerikanern zu bürgen. Europas Politik brachte via öffentliche Verschuldung in 40 Jahren ähnlich viel zusätzliches Geld in Umlauf wie Amerika, indem man knapp vor Wahlen Wählern neue Sozialleistungen versprach, um sie nach der Wahl dann auf Kredit zu finanzieren.

2. Toxische Wertpapiere lösten Krise aus

Möglich. Tatsächlich waren die Emittenten von „Mortgage Backed Securities“ („MBS“) staatliche US-Rückversicherer wie Fanny Mae und Freddy Mac. Schon seit den 1930ern kaufen sie privaten Instituten Hypotheken-Darlehen ab und verwandeln sie in Anlagewertpapieren. So schuf man gleichzeitig Investmentmöglichkeiten für die private Pensionsvorsorge.

US-Investmentbanken verkauften die Staatspapiere allerdings mit großem Gewinn nach Europa – und am liebsten an Staats- und Landesbanken mit ihrem überforderten Personal.

3. Finanzkrise begann mit Bush

In 70 Jahren wurden mit dem staatlichen Rückversicherungssystem 60 Millionen Eigenheime in den USA errichtet. Aber es war Bill Clinton, der Bedarfs- und Bonitätsprüfung für Fanny Mae & Co. de facto abschaffte. Von US-Präsident Jimmy Carter 1977 ins Leben gerufen, wurde der Community Reinvestment Act unter Clinton laufend verschärft. Es zwang Banken, Kredite auch an Bürger ohne Bonität zu geben. Der Subprime-Kredit war damit indirekt eine staatliche Erfindung.

4. Spaniens Banken haben sich verspekuliert

Tatsächlich hatten Spanien oder Irland mit dem Euro-Beitritt ihre alten Weichwährungen mit hohen Zinsen (über 10 Prozent) in eine Hartwährung mit niedrigen Zinsen (2 Prozent) getauscht. Statt wie Jahrzehnte vorher kosteten Kredite für spanische Häuslebauer nicht mehr 12 Prozent, sondern plötzlich 3 Prozent. Weniger als die Inflation. Wer sich in dieser (EU-)staatlich initiierten Gründerzeit nicht verschuldete, galt als Hinterwäldler. Hätten Spaniens Banken der Kreditsucht ihrer Bürger nicht nachgegeben, man hätte sie als Bösewichte vorgeführt.

5. Die Kleinen zahlen für die Krise

Teilweise richtig. Mit der 2008 folgenden Kreditklemme fielen vor allem jene Jobs weg, die dem künstlich hohen Wachstum durch staatliches Gelddrucken geschuldet waren. Unerwartet kluge Staatsinterventionen konnten den Nachfragerückgang aber kompensieren. Ohne die Schuldenberge der vergangenen 40 Jahre wäre der Spielraum aber um ein Vielfaches größer gewesen.