"Die Abschaffung von Barmittel würde ein funktionierendes Steuersystem ermöglichen"

Fondsmanager Adrien Dumas

Fondsmanager Adrien Dumas

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Adrien Dumas ist Fondsmanager des Aktienfonds Echiquier Global (WKN : A1C3DY) der französischen Fondsboutique Financiere de l’Echiquier.

DAS INVESTMENT.com: In welchen Branchen dürften Anleger bei einer weiteren Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums die am wenigsten betroffenen Unternehmen finden?

Adrien Dumas: Vor allem bei solchen Unternehmen, die am steigenden Konsum in den Schwellenländern teilhaben sowie in der Medizintechnik tätig sind. Denn diese Unternehmen werden von der wachsenden Mittelschicht und dem Willen der dortigen Regierungen profitieren, lokale Gesundheitssysteme in ihren Ländern zu errichten.

DAS INVESTMENT.com: Kaufen Sie nach all der Schelte für Bankinstitute noch deren Aktien?

Dumas: Für den Echiquier Global haben wir noch nie in Bankaktien investiert. Für uns stehen weltweit führende Unternehmen im Vordergrund. Zu diesen zu gehören, ist in der Bankenbranche kein besonderer Vorteil. Zudem ist es in diesem Sektor schwierig, Strategien zur Nutzung von Wachstumschancen bei einzelnen Häusern zu finden.

DAS INVESTMENT.com: Wenn man Ihnen sagte: Lösen Sie die Eurokrise! Welche drei Maßnahmen würden Sie ergreifen?

Dumas: Das wären dann…
  1. die Etablierung eines zentralen europäischen Organs zur Kontrolle der großen Banken (Top 50) sowie eines Garantiemechanismus,

  2. eine Harmonisierung der fiskalpolitischen Regeln in der Eurozone, sowie

  3. die Abschaffung von Barmitteln und ausschließlich elektronischer Zahlungsverkehr in ganz Europa, um ein vernünftiges Funktionieren des Steuersystems zu ermöglichen.
DAS INVESTMENT.com: Sie halten zurzeit 25 Prozent Technologieaktien im Portfolio? Besteht keine Gefahr einer neuen Dotcom-Blase?

Dumas: Wir sind nach wie vor vom Wachstumspotenzial des Technologie-Sektors überzeugt und haben diesen entsprechend übergewichtet. Aus unserer Sicht ist der Bereich aber recht hoch bewertet und wir haben damit angefangen, den Anteil von Technologiewerten zu verringern.

Man darf nicht vergessen, dass die Entwicklung des mobilen Internets für Unternehmen wie Facebook, Amazon und Ebay eine riesige Chance darstellt, ihren Datenverkehr zu Geld zu machen. Jüngste Statistiken zeigen, dass wir uns 25 Prozent unserer Freizeit mit Smartphones beschäftigen, jedoch lediglich ein Prozent des weltweiten Werbevolumens hierauf entfällt.

DAS INVESTMENT.com: Ein weitere auffällige Position sind indische Aktien. Was finden Sie an ihnen derzeit so interessant?

Dumas: Die Tatsache, dass sich das Pro-Kopf-BIP in Indien unter Verwendung der Kaufkraftparität dem Wert von 5.000 US-Dollar nähert, löst automatisch große Impulse im lokalen Konsum aus.

Dazu kommt dann noch der Aufschwung im ländlichen Indien. Dort lebt eine riesige Zahl an künftigen Verbrauchern, die dem 1,7-fachen der Bevölkerung ganz Europas entspricht. Das Wachstumspotenzial ist hier demnach immens. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen wird bis 2020 jährlich um mehr als 14 Prozent wachsen. Es bleibt spannend zu sehen, welche führenden Unternehmen in der Lage sein werden, davon zu profitieren.

Zahlreiche Unternehmen haben das Potenzial Indiens aber bereits erkannt und es geschafft, sich regional gut zu positionieren. Indien treibt die Entwicklung einer modernen Absatzwirtschaft und deren logistische Folgen vehement voran. Davon profitieren Unternehmen wie beispielsweise Hindustan Unilever in besonderem Maße.