„Die Banken sind weit davon entfernt, wohlfahrtsstiftende Wirkung zu entfalten“

Jochen Felsenheimer von Assenagon

Jochen Felsenheimer von Assenagon

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DAS INVESTMENT.com: Ihre Prognose in Prozent: Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr einer nationalen Währung? Werden insgeheim D-Mark oder Drachme bereits gedruckt?

Jochen Felsenheimer: Auch wenn Polit-Populisten gern mit dieser Aussicht spielen – eine Rückkehr zur D-Mark in den nächsten Jahren ist extrem unwahrscheinlich (1 Prozent) und auch ökonomisch nicht wünschenswert.

Die Tatsache, dass die Konstruktion der Europäischen Währungsunion Schwächen aufweist, sollte nicht dazu führen, dass die Idee einer Gemeinschaftswährung aufgegeben wird. Stattdessen sollte man an Mechanismen arbeiten,  um diese Schwächen auszumerzen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir bald wieder eine griechische Drachme sehen werden, ist ungleich größer (10 Prozent). Aber abgesehen davon, dass es rechtlich äußerst fragwürdig ist, ob ein Austritt Griechenlands ohne weiteres umzusetzen wäre, halte ich es trotz aller Probleme aktuell nicht für die beste Lösung, Griechenland in den Staatsbankrott zu entlassen.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Sie Finanzgott: Wie sehen ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise der Europäer aus?

Felsenheimer: Auch wenn die Bankenlobby gerne das Gegenteil behauptet – ein zentrales Problem der Staaten sind ihre ausufernden Bankensysteme, die inzwischen weit davon entfernt sind, wohlfahrtsstiftende Wirkung zu entfalten.

Deshalb ist der erste Schritt eine nachhaltige Konsolidierung der Finanzindustrie. Zweitens sollte sich die EZB wieder auf die wahren Tugenden einer Zentralbank besinnen und die Bereitstellung von Liquidität auf ein der Realwirtschaft angepasstes Maß zurückführen. Drittens müssen sich natürlich alle Mitgliedsländer die Frage gefallen lassen, warum man Verschuldungskriterien im Maastrichter Vertrag festgelegt hat, wenn sich eh keiner daran hält.

DAS INVESTMENT.com: Künftige Rolle der EZB: Lieber Konjunktur stützen oder Inflation bekämpfen?

Felsenheimer: Solange die Mitgliedsländer innerhalb eines Währungsraums unterschiedliche ökonomische Entwicklungen einschlagen, werden voneinander abweichende nationalstaatliche Wünsche an die Zentralbank herangetragen.

Wirklich problematisch wird es, wenn die Zentralbank dazu missbraucht wird, die klammen Mitgliedsstaaten zu refinanzieren.  Solange sich die EZB einzig am Inflationsziel messen lassen muss, hat sie dazu keinerlei Anreiz. Und das ist gut so.