„Die Baronin von Rothschild wurde ein Mensch wie du und ich“

Die Dokumentarfilmer Gisela Baur (re.), Ralph Gladitz (li.) mit Starinvestor Warren Buffett

Die Dokumentarfilmer Gisela Baur (re.), Ralph Gladitz (li.) mit Starinvestor Warren Buffett

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DAS INVESTMENT.com: Nicht jeder kommt an Warren Buffett heran. Wie haben Sie es geschafft?

Gisela Baur: Ich kenne Warren Buffett seit 15 Jahren und habe schon im Print-Bereich einiges über ihn berichtet. Jetzt wollte ich diesen Kontakt einmal für eine Fernseharbeit nutzen. Das klappte nicht sofort, weil ich dazu einen professionellen Filmemacher an meiner Seite brauchte. Ich traf Ralph, der schon ein erfahrener Dokumentarfilmer ist, und es konnte losgehen.

DAS INVESTMENT.com: Wie lange haben Sie gedreht?

Baur: Wir hatten den ersten Drehtag in Omaha in der ersten Mai-Woche 2010. Damit sind jetzt zwei Jahre um. Wir haben Warren 18 Monate lang begleitet, ihn immer wieder an verschiedenen Orten getroffen.

DAS INVESTMENT.com: Der Film dauert 75 Minuten. Wie viel Material hatten Sie insgesamt?

Baur: Vielleicht 32 Stunden.

Ralph Gladitz: Das kann stimmen. Es war verdammt viel. Wir hatten zunächst auf eigene Kosten losgedreht, weil wir die Hauptversammlung von Buffetts Firma Berkshire Hathaway in Omaha 2010 erwischen wollten. Dabei haben wir mit zwei Teams gearbeitet. Eins begleitete Warren Buffett, das andere filmte das Drumherum, zum Beispiel eine Gruppe deutscher Aktionäre. Die hat es aber nicht in den fertigen Film geschafft. Wir haben noch sehr viel Material übrig. Zuerst sollte es ja ein Porträt werden. Erst später hat es sich zu diesem Stiftungsthema hinentwickelt.

DAS INVESTMENT.com: Nun ist er nicht der einzige Protagonist. Wie kamen Sie an die anderen heran?

Baur: Durch meinen guten Kontakt zu Warren Buffett war das nicht allzu schwer. Er hat Bill Gates schnell mit ins Boot geholt, weil er mit ihm gut befreundet ist. Außerdem hat Ralph gute Kontakte.

Gladitz: Trotzdem haben wir uns schwer getan.

Baur: Ja stimmt, besonders in Europa. Im Film sagt Baronin von Rothschild: „Man redet nicht darüber, was man macht. Und man redet nicht darüber, was man gibt.“ Diese Mauer mussten wir durchbrechen.

DAS INVESTMENT.com: Bei wem sind Sie abgeblitzt?

Gladitz: Zum Beispiel Bernard Arnault, dem reichsten Europäer. Er hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet. Genau wie die reichste Frau Frankreichs, Liliane Bettencourt. Einen anderen französischen Superreichen hatten wir dagegen vor der Kamera, den Carrefour-Erben Antoine de Galbert. Hochinteressante Ansichten und tolle Aussagen. Wir haben ihn aber nicht in den Film genommen, weil wir uns stattdessen für Baronin von Rothschild entschieden haben.

Baur: Wir haben sechs Menschen im Film mit verschiedenen gesellschaftlichen und familiären Hintergründen, Wertesystemen und verschiedenen Motiven, Gutes zu tun. Für 75 Filmminuten ist auch das schon zu viel, aber wir mussten einige Kompromisse mit unseren TV-Sendern eingehen. Somit müsste es eigentlich ein Pilotfilm für eine richtig große Sache sein. Dann könnte man sich viel ausführlicher und auch kritischer mit den Menschen und Aktionen auseinandersetzen, als wir es konnten.



Starinvestor Warren Buffett im Gespräch mit Baronin von Rothschild (Foto: Itzik Yehezkeli)