„Die deutsche Zins-Mehrbelastung durch Euro-Bonds würde rund einen Prozentpunkt betragen“

Johannes Müller von der DWS

Johannes Müller von der DWS

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DAS INVESTMENT.com: Braucht Europa Euro-Bonds?

Johannes Müller: Ursache der Eurokrise ist das wirtschaftliche Auseinandertreiben seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Die Eurozone hat sich bei Löhnen, Produktivität, Inflation, Wettbewerbsfähigkeit und Verschuldung auseinanderentwickelt. Der Kapitalmarkt hat die dadurch entstandenen Ungleichgewichte über Jahre finanziert, aber seit der Schuldenkrise ist das nicht mehr der Fall.

Rettungsmechanismen oder der Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank lösen die Probleme nur übergangsweise. Um die Eurozone dauerhaft zu stabilisieren, bedarf es Maßnahmen der Peripherie-Staaten, mit denen sie sich wirtschaftlich wieder der Eurozone annähern. Auch wird es Transfers geben müssen. Euro-Bonds stellen eine Möglichkeit dar, wie diese Transfers organisiert werden können.

DAS INVESTMENT.com: Welche Vor- oder Nachteile haben gemeinsame Schuldscheine?

Müller: Euro-Bonds würden das Liquiditätsproblem einiger Euro-Staaten lösen. Die Einführung sollte die Finanzmärkte deutlich stabilisieren. Es entstünde ein riesiger, liquider Rentenmarkt, an dem kein globaler Investor vorbeikommen würde. Zudem würde durch die Einführung von Euro-Bonds ein Signal der Handlungsfähigkeit der Europäischen Union ausgehen. Es würde die Rolle des Euros in der Welt stärken und brächte wirtschaftliche Vorteile.

Die Nachteile liegen klar auf der Hand: Transfers sind bei den Gebern nie populär, egal ob Solidaritätszuschlag, Länderfinanzausgleich oder Euro-Bonds. Die öffentliche Meinung ist dementsprechend kritisch. Euro-Bonds bergen also erhebliche politische Risiken. Außerdem nehmen sie den Peripherie-Staaten den Druck zu sparen. Ihre Reform- und Sparbemühungen macht das unwahrscheinlicher.

DAS INVESTMENT.com: Wie stehen Sie zu dem „Nein“ der Bundesregierung zu Euro-Bonds?

Müller: Deutschland wäre schlecht beraten, der Einführung von Euro-Bonds vorschnell zuzustimmen. Zunächst müssten die Geberländer den profitierenden Nehmerländern erhebliche, bindende Zugeständnisse abringen. Insofern verstehe ich das derzeitige „Nein“ der Bundesregierung, denke aber dass es verhandelbar ist. Auch werden die politischen und juristischen Hürden einer Einführung hoch sein.