„Die Eurokrise macht Europa zur Exportnation“

Martin Hüfner von der Fondsgesellschaft Assénagon

Martin Hüfner von der Fondsgesellschaft Assénagon

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14 Jahre lang war der Euroraum ein Musterknabe in Sachen Leistungsbilanz. Die laufenden Posten waren im Gleichgewicht. Es gab zwar Schwankungen von Jahr zu Jahr, es kam aber nie länger zu einem größeren Defizit oder Überschuss.

Seit 2012 ist das anders. Die Leistungsbilanz ist im Überschuss und dieser steigt signifikant an. Im vergangenen Jahr belief er sich auf 122 Milliarden Euro, in diesem Jahr dürften es knapp 250 Milliarden Euro werden. Das sind über 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Zur Klarstellung: In der Wirtschaftspolitik ist die Leistungsbilanz nur dann im Gleichgewicht, wenn der Saldo Null ist. Sowohl Überschüsse als auch Defizite gelten als Ungleichgewichte. Europa ist also im Ungleichgewicht.

Von der absoluten Höhe her gesehen ist das aber nicht dramatisch. Da gibt es ganz andere Sünder in der Welt. Deutschland beispielsweise wird in 2013 einen Überschuss von voraussichtlich 6 Prozent haben, die Schweiz sogar von über 12 Prozent. Der Positivsaldo des Euroraumes ist jedoch so hoch, dass er international ins Gewicht fällt. Wird Europa strukturell zu einer Überschussregion?

Exportnation Europa?

Um die Frage zu beantworten, muss man sich die Zusammensetzung des Überschusses anschauen. Der wichtigste Posten ist der deutsche Saldo. Er kann zwar auch mal wieder etwas kleiner werden, wird sich aber nicht in ein Defizit verkehren. Deutschland hatte in der Vergangenheit in der überwiegenden Zeit höhere Exporte als Importe.

Bei den anderen Ländern ist das nicht so klar. Einige sagen, dass die Verringerung der Defizite dort allein konjunkturbedingt sei. Die Einfuhren gehen zurück, weil die Binnennachfrage so gering ist. Die Ausfuhren steigen, weil die Unternehmen sich nach neuen Absatzmöglichkeiten umsehen müssen. Sowie die Rezession vorbei ist, so das Argument, werden sich die Leistungsbilanzen dieser Länder wieder verschlechtern und der Überschuss des gesamten Euroraumes ist weg.

Gestärkte Peripherie

Ich teile diese Meinung nicht. Die Defizite der Peripherieländer Europas sind nicht nur wegen der Konjunktur zurückgegangen. Es hat sich auch ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Zudem gehen die Fehlbeträge in den öffentlichen Finanzen (als saldenmechanische Gegenposten zu den Leistungsbilanzdefiziten) zurück.

Viel spricht aus meiner Sicht dafür, dass diese Staaten nach Überwindung der Krise in ihren außenwirtschaftlichen Beziehungen ein Gleichgewicht oder sogar einen kleinen Überschuss haben werden. Dann ergibt sich zusammen mit dem Deutschlands ein Überschuss in den laufenden Posten des Euroraums.

Wenn das richtig ist, dann befindet sich Europa in seinen Außenbeziehungen künftig in einer Liga etwa mit Japan und China. Es setzt sich deutlich von den USA ab, die bisher traditionell ein Defizit hatten.