Die Grenzen des Steuerstaates nach Joseph Schumpeter

Georg Graf von Wallwitz

Georg Graf von Wallwitz

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Wenn ein Land völlig überschuldet ist und sich in einer auseinanderbrechenden Währungsunion befindet, dann ist es gut beraten, sich einen sensationellen Finanzminister zu holen. Den Österreichern ist das fraglos gelungen, damals, im Jahr 1919. Mit Joseph Schumpeter machten sie den brillantesten Ökonomen auf dem Kontinent zum Verantwortlichen für das von Krieg und Gebietsverlusten gezeichnete Budget. Da zu dieser Zeit auch noch die Tschechen oder Ungarn sich mit eigenen Währungen selbständig zu machen begannen, stand Schumpeter vor zwei irgendwie aktuellen Fragen: Wie saniere ich einen völlig überschuldeten Haushalt und wie stabilisiere ich die zerfallende Währung?

Für das Amt des Finanzministers hat er ein Jahr zuvor eine Art Bewerbungsschreiben verfasst unter dem Titel „Die Krise des Steuerstaates“. Darin holt er weit aus und beschreibt die Möglichkeiten, die der Politik in einer solchen Lage bleiben. Und wenn einer der größten Ökonomen in dieser Lage die Optionen beschreibt, lohnt es sich heute jedenfalls zuzuhören.

Über Steuern kann sich der Staat nicht sanieren

Die erste Möglichkeit, die Schumpeter erwägt, ist die Erhöhung der indirekten Steuern. Diese lassen sich aber nicht beliebig erhöhen. Sie haben eine aus Sicht des Staates optimale Höhe, wenn sie einen maximalen Ertrag bringen. Erhöht man sie darüber hinaus, so dämpfen sie die wirtschaftliche Aktivität so stark, dass sie sogar weniger einbringen. So wurde beispielsweise die Tabaksteuer in Deutschland seit dem Jahr 2002 so weit angehoben, dass jede weitere Erhöhung geringere Einnahmen für den Staat bedeuten würde. Die Leute hören einfach auf zu rauchen, es wird ihnen zu teuer. Über indirekte Steuern kann der Staat sich also nicht sanieren.

Die zweite Möglichkeit sind direkte Steuern. Auch hier kann der Staat nicht unbegrenzt zugreifen ohne sich langfristig zu schaden. Schöpft man die Gewinne der Unternehmer zu stark ab, verlieren sie die Lust, etwas Neues zu gründen. Wer geht schon gerne das Risiko der Selbständigkeit ein, wenn die Früchte der Arbeit doch an den Staat gehen.