Interview-Reihe | A.IX Capital „Vieles im Markt der Robo-Advisor ist alter Wein in neuen Schläuchen“

Dr. Fabian Braun, Gründer und Geschäftsführer von A.IX Capital

Dr. Fabian Braun, Gründer und Geschäftsführer von A.IX Capital

Ihr Unternehmen, die Branche, der Vertrieb

DAS INVESTMENT: Was sehen Sie im Vergleich zum klassischen Finanzberater als Ihr größeres Asset an: Ihren Online-Vertriebsweg, der Ihnen enormes Kundenpotenzial bietet, oder Ihre skalierbaren Portfolio-Management-Lösungen/Algorithmen, die Ihren Kunden attraktive, maßgeschneiderte Rendite-Risiko-Profile bietet?

Fabian Braun: Unser großer Vorteil ist unsere Portfolio-Management-Lösung: Active Indexing. Der findet sich auch im Unternehmensnamen: A.IX steht für Active Indexing. Active Indexing ist eine Kombination aus dem populären Ansatz des passiven Investierens und einer aktiven Risikosteuerung. Passives Investment allein kann mit starken Kursrückgängen von mehr als 50 Prozent einhergehen. Die meisten Privatinvestoren verkaufen dann zur falschen Zeit. Die Risikosteuerung ist angelegt, genau das möglichst zu vermeiden und legt monatlich den Aktienanteil der Anlage zwischen 0 und 100 Prozent fest, je nach Entwicklung der Märkte.

Wenn einer der Märkte einen negativen Trend zeigt, wird die Aktienanlage entweder durch Anleihen ersetzt, oder – wenn auch Anleihen einen negativen Trend haben – durch Geldmarkt. Das ganze machen wir in einem Fondsmantel. Das heißt: Die Anlagestrategie kann wie jeder Investmentfonds bei der eigenen Bank gekauft und verkauft werden. Es fallen keine Ausgabeaufschläge oder Ähnliches an.

In Deutschland gibt es aktuell ein gutes Dutzend unabhängige Robo-Advisor. Wie viele werden in den kommenden Jahren dazukommen?

Braun: Regelmäßig kommen neue Lösungen dazu. Vieles davon ist allerdings alter Wein in neuen Schläuchen: Lieber Kunde, bitte wähle eine Risikoklasse und wir geben Dir ein Portfolio (x Prozent Aktien, y Prozent Anleihen) und der Roboadvisor hält das über Zeit konstant. Ausschließlich mit diesem Rebalancing sehe ich nur einen begrenzten Mehrwert. Dennoch werden wir davon wohl noch einige sehen. Richtige, aktive Robo-Advisor, die wie wir ein Portfolio aktiv managen, gibt es nur wenige. Aber diese Zahl wird auch noch wachsen.

Robo-Advisor sind (noch) eine krasse Nische: Selbst die größten Robo-Advisor verwalten nicht einmal 50 Millionen Euro. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman schätzt die verwalteten Vermögen aller unabhängigen Robo-Advisor hierzulande auf rund 100 Millionen Euro. Angesichts von Verwaltungsgebühren von weniger als ein Prozent dürfte Ihre Branche bislang nicht mehr als 1 Million Euro umsetzen. Auf der anderen Seite sagen Experten Ihrer Branche ein exponentielles Wachstum voraus:

Wann wird der erste deutsche unabhängige Robo-Advisor die Eine-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten?

Braun: Wir rechnen 2019 oder 2020 damit.

Sprechen wir hier von Ihrem Unternehmen?

Braun: Wir waren nicht die ersten am Markt, haben aber ein überlegenes Produkt. Unser Angebot ist allerdings nicht auf maximales Wachstum angelegt, sondern auf hohe Qualität. Das heißt auch, dass unser Produkt nicht für jeden Anlegertypen geeignet ist. Wer kein aktienartiges Investment eingehen möchte, ist bei uns zumindest derzeit falsch. Wir werden sehen, wer das Rennen macht. Aber wir sind am Start.