„Die Leute reden mir zu viel über die Fed“

David Plecha (rechts), Vice President und Senior Portfolio Manager bei Dimensional Fund Advisors, traf DAS INVESTMENT.com-Redakteur Andreas Harms in Hamburg

David Plecha (rechts), Vice President und Senior Portfolio Manager bei Dimensional Fund Advisors, traf DAS INVESTMENT.com-Redakteur Andreas Harms in Hamburg

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David Plecha hat den weiten Weg von Santa Monica, Kalifornien, nach Deutschland auf sich genommen. Im Park Hyatt Hotel in Hamburg treffen wir den Senior Portfolio Manager für Anleihen zum Gespräch. Sein Arbeitgeber, Dimensional Fund Advisors, arbeitet ausschließlich mit institutionellen Anlegern zusammen. Er ist seit September 2010 auch in Deutschland aktiv, länger schon in den USA, Großbritannien und den Niederlanden. Dimensional managt fast 290 Milliarden Dollar und hat einen seiner Schwerpunkte bei Altersvorsorgevermögen gesetzt. Es arbeitet mit Aktien- und Anleiheportfolios und geht davon aus, dass man die Märkte dort nicht vorhersagen kann. Vielmehr sollen die Risiken durch wissenschaftliche Ansätze und besonders breite Streuung niedrig bleiben – und die Kosten für den Anleger vor allem auch.

DAS INVESTMENT.com: Interessante Zeiten am Rentenmarkt, oder?

David Plecha: Mich beschäftigen derzeit einige Dinge. Eines ist die Angst vieler Marktteilnehmer, dass das Zinsniveau zwangsläufig steigen wird und dass das die Anleihemärkte heftig erwischen wird.

DAS INVESTMENT.com: Warum denn auch nicht?

Plecha: Natürlich könnte das passieren. Aber die Zinsen können genauso gut sehr lange niedrig bleiben. Wie zum Beispiel in Japan schon seit vielen Jahren. Aber egal, ob die Zinsen rauf gehen oder so tief bleiben – es ist immer eine gut Idee, seine Geldanlage breit zu streuen. Und es wird immer eine gute Idee bleiben.

DAS INVESTMENT.com: Eine nicht sehr neue Idee.

Plecha: Aber eine sehr wichtige, heute mehr denn je. Jedes Mal, wenn Sie ins Risiko gehen, versuchen Sie es, so weit wie möglich zu streuen. Ein Aktienportfolio setzen Sie aus mitunter hunderten von Werten zusammen. Die Frage ist nun aber, wie man das am besten mit Anleihen macht.

DAS INVESTMENT.com: Und wie lautet die Antwort?

Plecha: Die Investoren verwenden viel Zeit darauf zu versuchen, die Entwicklung von Einzelanleihen und Ländern vorherzusehen. Niemand kann die Entwicklung von Zinsen oder den laufend diskutierten Zusammenbruch des Euro vorhersagen. Die einzige Antwort darauf ist: Investiere und streue global. Für einen Europäer heißt das zum Beispiel, nicht nur Euro-Anleihen zu kaufen. Es gehören auch Papiere in Dollar, Pfund und so weiter dazu. Allerdings sollte man die Währungsrisiken absichern.

DAS INVESTMENT.com: Wären die nicht ganz sinnvoll für den Fall, dass der Euro einbricht?

Plecha: Währungskurse sind volatil, sie bringen Unruhe ins Portfolio. Klar können sie kurzfristig Gewinne bringen. Auf lange Sicht steuern sie aber nichts Wesentliches bei. Wenn Sie Währungen abgesichert haben, haben Sie freie Hand, was die Märkte betrifft. Deren Zinskurven sind nie identisch, Sie können hier also durch Kombination Risiken streuen.

DAS INVESTMENT.com: Was passiert, wenn die Fed ihr Programm beendet und keine Staatsanleihen mehr kauft und vielleicht sogar den Leitzins erhöht?

Plecha: Die Fed, die Fed, die Fed … immer nur die Fed. Die Leute reden mir zu viel über die Fed.

DAS INVESTMENT.com: Die Fed macht den Markt.

Plecha: Nein, die Investoren machen den Markt.

DAS INVESTMENT.com: Die Fed ist auch ein Investor. Ein ziemlich großer sogar.

Plecha: Das ist richtig. Und die komplizierte Frage lautet: Verzerrt die Fed die Preise? Niemand kann sagen, wo die Preise ohne das Kaufprogramm der Fed wären. Man könnte meinen, tiefer. Aber wer sagt denn, dass nicht ein anderer Käufer eintreten würde, der sich bisher zurückgehalten hat. Ich kann aus meiner Erfahrung erzählen, dass es schon immer große Käufer von US-Staatsanleihen gegeben hat: Japan, später China und eben heute die Fed. Und immer lautete die Frage, was wäre, wenn die aufhören zu kaufen?