Die neue Innenarchitektur der EZB

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Man soll mit vorzeitigen Urteilen vorsichtig sein. Aber wenn mich nicht alles täuscht, dann ist die Europäische Zentralbank (EZB) seit einigen Wochen drauf und dran, sich neu zu erfinden. Sie könnte schneller als gedacht aus dem Reputationstief herauskommen, in das sie im Mai 2010 durch die Eurokrise gefallen war.

Wie ist das geschehen?


In den vergangenen zweieinhalb Monaten sind drei der insgesamt sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums ausgewechselt worden: Der Präsident (Mario Draghi), der "Außenminister" (Jörg Asmussen) und der Marktverantwortliche (Benoit Coeuré). In den vergangenen 18 Monaten sind sogar fünf der sechs Mitglieder neu ins Amt gekommen.

So einen radikalen Wandel in so kurzer Zeit in der Führung einer Zentralbank habe ich noch nie erlebt. Es wäre verwunderlich, wenn das nicht auch einen Wechsel der Politik nach sich ziehen würde. Hier ein paar Indizien.

Federal Reserve als Vorbild

Eines ist, dass die EZB die Liquiditätsversorgung der europäischen Banken so stark wie nie zuvor ausgeweitet hat. Im Dezember teilte sie in einem Tender fast 500 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent für drei Jahre zu. Das ist etwa so viel wie das letzte Quantitative-Easing-Programm der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), das über ein halbes Jahr "gefahren" wurde.

Im Februar soll es einen weiteren Tender über drei Jahre geben. Die EZB denkt wohl auch noch über andere Liquiditätsspritzen nach, vielleicht sogar über generelle Wertpapierkäufe am offenen Markt wie in den USA.

Spiel mit den Zinsen

Mit Liquidität kann man viel bewirken. Die EZB entkräftet damit den Vorwurf (vor allem der Amerikaner), sie würde die Eurokrise nur halbherzig bekämpfen. Sie zeigt, dass die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen der Peripherieländer (die zum Rücktritt der deutschen Vertreter im Rat geführt hatten) nicht mehr unbedingt nötig sind. Die Banken haben Geld, um die Papiere selbst zu kaufen.

Zudem bereitet die EZB damit eine Zinssenkung vor (siehe Grafik). Auch das wäre ein Tabubruch. Bisher hatte sie immer gesagt, ihr Leitzins könne nicht – wie in den USA oder der Schweiz – auf unter ein Prozent sinken, weil sonst der Abstand zum Einlagenzins zu gering würde.

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