„Die Ratingagenturen vertreten nur die Interessen der USA“

Markus Zschaber

Markus Zschaber

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Warum sind Ratingagenturen und ihre Bewertungen untauglich?

Es ist töricht, in der jetzigen Situation ein Land wie Deutschland zu kritisieren und mit Herabstufung zu drohen. Deutschland steht erstens recht gut da und zweitens läuft in Europa im Moment ein sehr schmerzlicher Reformprozess, wie ihn die USA nicht ansatzweise eingeläutet haben. Um die Lösungsansätze politisch wie wirtschaftlich durchzusetzen, braucht es Zeit und vor allem kein ständiges Störfeuer. Eine Herabstufung genau jetzt zeigt, dass die Ratingagenturen entweder nicht über den nötigen Sachverstand verfügen oder ihre Entscheidungen politisch beeinflusst sind.

Wer hat ein Interesse daran?

Ganz klar die USA. Denn das Geld, das internationale Investoren eigentlich in Europa investieren würden, wandert aufgrund der schlechten Nachrichten jetzt in die USA. Es ist ganz klar so: Europa reformiert sich und erbringt immense Kraftanstrengungen, es spart, auch wenn das vielleicht erst einmal Wachstum kostet. Aber in fünf oder zehn Jahren trägt das Früchte und die Volkswirtschaften sind gestärkt. Dagegen herrscht in den USA ein politisches Patt und zudem Wahlkampf. Die Fakten sprechen gegen die USA: Die Neuverschuldung gemessen am BIP ist doppelt so hoch wie in Europa und auch die Gesamtbelastung gemessen am BIP ist ungefähr 20 Prozent höher.

Und das sehen die Ratingagenturen nicht?

Im Gegenteil. Sie haben ihre Einschätzung zu den Länderrisiken immer mehr in eine kritische Sicht auf Europa geändert. Die USA blieben dabei weitgehend verschont. Fitch bescheinigt den USA ein AAA, Moody´s vergibt die Bestnote und nur S&P hatte die USA auf AA+ herabgestuft. Welch ein Zufall und welch ein Glück: Denn hätte noch eine weitere Ratingagentur die Bestnote für die USA gekappt, hätten sich große Pensionskassen und Versicherer in großem Stil von US-Staatsanleihen trennen müssen. Denn diese dürfen nur bestbewertete Anleihen halten. Dazu reicht es aber, wenn zwei Ratingagenturen die Bestnote vergeben. Wohlgemerkt, die USA erhalten die Rating-Bestnote obwohl sie ein ausuferndes Haushaltsdefizit aufweisen und zudem das größte Handelsbilanzdefizit der Welt. Klingt das nicht nach „Schuldenstaat“ und „kein Geschäftsmodell“ wie in Griechenland? Wer das erkennt der sieht klar: Die Ratingagenturen vertreten ausschließlich die Interessen der USA.