„Die Renminbi-Aufwertung wird zu Recht nicht länger als Einbahnstraße gesehen“

Markus Ackermann von HSBC Global Asset Management

Markus Ackermann von HSBC Global Asset Management

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Markus Ackermann ist Direktor Institutional Business bei HSBC Global Asset Management in Deutschland und zuständig für die Emerging Markets.

DAS INVESTMENT.com: Ist der Renminbi derzeit noch unter- oder schon fair bewertet?

Ackermann: Ein Blick auf die Kaufkraft in China verrät, dass der Renminbi gegenüber dem US-Dollar und Euro immer noch unterbewertet ist. Wir rechnen damit, dass sich die Unterbewertung nach und nach verringert. Grund dafür sind Chinas Überschüsse im Handel mit wichtigen Partnern wie den USA und Europa, riesige Kapitalzuflüsse ins chinesische Festland sowie der Druck auf den Dollar als Leitwährung.

DAS INVESTMENT.com: Will Chinas Zentralregierung den Renminbi nicht mehr zur Leitwährung aufbauen?

Ackermann: An dem langfristigen Ziel dürfte sich nichts geändert haben. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Handel mit der Landeswährung außerhalb Chinas ist ein wichtiger Schritt hin zur Internationalisierung der chinesischen Währung. Die neue Währung soll den Handel mit China erleichtern und die chinesischen Finanzmärkte schrittweise für globale Emittenten und Investoren öffnen. Ein Beispiel dafür ist Chinas bilateraler Vertrag mit Japan (vom 29. Mai 2012, Anm. d. Red.), der schon heute einen direkten Austausch von Yen gegen Renminbi ermöglicht ohne den Umweg über den Dollar.

Der RMB-Anleihemarkt – auch Dim-Sum-Markt genannt – bietet Investoren dabei eine ganz neue Investmentgelegenheit. Der Markt ist zwar noch relativ jung, zeigt aber ein rasantes Wachstum. Zudem hat die chinesische Regierung ein vitales Interesse daran, nach dem Aufholen im wirtschaftlichen und militärischen Bereich auch an den Kapitalmärkten den Status einer Großmacht zu erreichen.

Und zu guter Letzt: Ein stärkerer Renminbi bedeutet für die chinesischen Konsumenten mehr Kaufkraft. Und die Stärkung des Konsums ist ebenfalls ein erklärtes Ziel der Regierung, da er zu einem besser ausbalancierten Wachstum führt. Die Export- und Investitionslastigkeit hat sich als Achillesferse der Wirtschaft erwiesen.

DAS INVESTMENT.com:
Was wären eigentlich die Vorteile einer Weltwährung Renminbi?

Ackermann:
Für den Rest der Welt wäre es sicher von Vorteil, zukünftig unter zwei Weltleitwährungen wählen zu können. Insbesondere die ölreichen Staaten der Golfregion, aber auch die anderen Handelspartner Chinas in der Welt würden eine Möglichkeit willkommen heißen, in Renminbi abrechnen und  Reserven in dieser Währung anlegen zu können.

Von Nachteil wäre eine solche Entwicklung mit Sicherheit für die USA. Im Wettstreit mit einer anderen Reservewährung wäre mit steigenden Dollar-Zinsen zu rechnen, was die Kosten der Refinanzierung der US-Regierung dramatisch erhöhen könnte. Es muss aber auch klar sein, dass eine Ablösung des Dollar als Weltleitwährung keineswegs unmittelbar bevor steht. Dieser Prozess kann sich über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte hinziehen.