Die Revolution der Erdgas-Industrie

Roberto Cominotto von Swiss & Global

Roberto Cominotto von Swiss & Global

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Roberto Cominotto ist Fondsmanager des JB Energy Transition Fund (WKN: A0Q6NA) bei Swiss & Global Asset Management.

Diverse Regierungen planen, vermehrt auf Erdgas zu setzen. Denn das natürlich vorkommende Methangas zeichnet sich durch diverse Eigenschaften aus. Zum einen ist Erdgas deshalb so begehrt, weil es relativ sauber ist. Es produziert bei der Verbrennung zwar Kohlenstoffdioxid (CO2), aber deutlich weniger im Vergleich zu Erdöl und Kohle. Insbesondere der Ausstoß von schädlichen Emissionen wie Kohlenmonoxid, Stickoxid, Schwefeldioxid, Quecksilber und Feinstaub ist nur ein winziger Bruchteil der Menge bei Erdöl und Kohle.

200 Brückenjahre

Zum anderen ist Erdgas reichlich vorhanden. In Nordamerika wurden in den vergangenen zehn Jahren neue Bohrtechnologien entwickelt (sogenanntes Fracking), die bisher nicht wirtschaftlich förderbares Erdgas wie etwa Schiefergas zugänglich gemacht haben.

Die Folgen für den nordamerikanischen Gasmarkt waren dramatisch. Die nun verfügbaren Erdgasreserven sollen für die nächsten 200 Jahre reichen. Doch auch in weiten Teilen Europas und allen anderen Kontinenten geht man davon aus, dass es große Vorkommen von Schiefergas gibt. Die weltweiten Reserven könnten über 200 Jahre reichen und somit weit über die nötige Zeit bis zum vollständigen Übergang ins Zeitalter der erneuerbaren Energie.

Und nicht zuletzt ist Erdgas billig. Der Zugang zu den Schiefergasvorkommen in Nordamerika hat sich deutlich auf den Gaspreis ausgewirkt. Von einem Höhepunkt vor rund fünf Jahren von deutlich über 10 US-Dollar pro MMBtu (million British thermal units, 1 mmBTU entspricht 26,4 Kubikmeter Gas) ist der Gaspreis dieses Jahr zeitwiese unter 2 Dollar pro MMBtu gefallen. Auch im Vergleich zu Erdöl ist der US-Gaspreis auf einem Rekordtief.

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Energiewende erhöht den Erdgasbedarf

Paradoxerweise bedeutet verstärkter Einsatz von erneuerbarer Energie auch mehr Nachfrage nach Erdgas. Denn erneuerbare Energiequellen wie Wind und Solar haben den großen Nachteil von starken Schwankungen. Je nach Tageszeit und Wetter generieren sie viel, wenig oder gar keinen Strom.

Da es auf absehbare Zeit keine ausreichenden Speicherlösungen für dieses Problem gibt, müssen Gaskraftwerke die schwachen Perioden überbrücken. Die Vorteile von Gaskraftwerken liegen dabei vor allem in der Flexibilität. Im Betrieb können Gaskraftwerke äußerst schnell auf Bedarfsänderungen reagieren.