Die Rezessions-Angst geht um Wenn Chinas Krise auf eine fragile Eurozone trifft

Daniel Stelter berät Finanzinstitute bei der Bewältigung der andauernden Finanzkrise

Daniel Stelter berät Finanzinstitute bei der Bewältigung der andauernden Finanzkrise

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Eigentlich ist der Versuch der chinesischen Regierung, durch die Abwertung des Renminbi ihren Export zu stimulieren, verständlich. Japan tut es, die EZB tut es auch.

Und nach einer handelsgewichteten Aufwertung des Renminbi um mehr als 10 Prozent blieb kaum eine andere Wahl, als ein klares Signal zu setzen: bis hierher und nicht weiter. Die Schmerzgrenze war erreicht.

Das Signal ging auch in Richtung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Hört auf, den Dollar durch das Wecken von Erwartungen auf Zinssteigerungen zu stärken. Denn durch die Bindung an den US-Dollar wirkt das auch auf China.

Die Angst geht um

Dass dieses Signal nun ein Beben dieser Größenordnung auslöste, ist nur durch die neue Angst vor einer weltweiten Rezession zu erklären. Eben jene Angst, die seit Mitte der 1980er Jahre unser Wirtschaftssystem bestimmt.

Im Versuch fehlende Nachfrage zu kompensieren, wird immer mehr mit Schulden gearbeitet. Der überwiegende Teil der neuen Schulden dient Konsum, Spekulation und dem Kauf vorhandener Assets, wie Aktien (Rückkäufe, M&A) und Immobilien, nicht der Investition in neue Kapazitäten und Technologien.

Das Hin- und Her-Verkaufen von vorhandenen Assets steigert jedoch nur die (Schein-)Vermögen und Schulden in einer Volkswirtschaft, nicht das langfristige Produktionspotenzial, welches über das Wachstum entscheidet.

Erste Flickschusterei vor sechs Jahren

2009 kam es zu einer kurzen Unterbrechung dieses Aufschuldungsprozesses in Europa und den USA. Die Vermögenspreise fielen und offenbarten die Tatsache, dass sie ohne die enorme Verschuldung deutlich weniger Wert waren. Um einen völligen Kollaps des Systems zu verhindern, senkten die Notenbanken die Zinsen auf historische Tiefs und die Staaten machten weiter Schulden.

In praktisch allen Ländern außer Deutschland liegen die Schulden von Privaten und Staaten über dem Niveau von 2009. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, eine große Depression zu verhindern.

Auch China hat aus Angst vor der Rezession im Jahre 2009 die vorhandenen Ungleichgewichte massiv verstärkt. Um die eigene Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren, wurde ein historisch einmaliger Verschuldungs- und Investitionsboom gestartet.

Die Verschuldung vervierfachte sich innerhalb von sechs Jahren auf 28 Billionen Dollar. Und wie bei jedem Verschuldungsboom waren erhebliche Fehlinvestitionen die Folge.

Kater nach dem Verschuldungs-Rausch

Rund 6 Billionen Dollar dürften in den Sand gesetzt worden sein, in Form von Städten ohne Bewohnern und Fabriken ohne Nachfrage. Die Folge der erheblichen Überkapazitäten ist in einer staatlich gelenkten Wirtschaft nicht anders als bei uns: die Preise fallen. Verschuldete Unternehmen schauen nicht mehr auf den Gewinn, sondern auf den Cashflow.

Alles, was Geld in die Kassen spült, ist willkommen. So fallen die Preise auf Produzentenniveau in China seit 40 Monaten. Da zugleich die Zinsen bei rund 6 bis 8 Prozent liegen, zahlen chinesische Unternehmen vermutlich den höchsten Realzins der Welt. Mehr braucht es nicht, um ein Land in eine tiefe Krise zu stürzen.

Dazu wird es in China vorerst nicht kommen. Die Notenbank kann die Zinsen noch deutlich senken und Devisenreserven mobilisieren. Dennoch ist die auf rund 800 Milliarden Dollar alleine in den ersten sechs Monaten diesen Jahres geschätzte Kapitalflucht ein erhebliches Warnsignal.

Die Bevölkerung, vor allem die Vermögenden aus dem Umfeld der Partei, glauben nicht mehr an die Fortsetzung des Booms.